Teacher “Tambok”

2. Teil

So kam sie immer zuverlässig, lernte mit unserem Sohn und der Tag kam näher, wo der Vorschuß aufgebraucht war und sie dann in Vorleistung zu treten hat. Aber, sie schickte von der Schule aus uns eine SMS, dass ihre Tochter in der Nacht ins Krankenhaus musste, und sie heute nicht kommen kann. Ok, kann passieren, dann sehen wir uns eben morgen. Am Folgetag erschien sie erst gar nicht in der Schule, schickte aber wieder eine SMS. Wegen ihrer Tochter konnte sie heute nicht zur Schule, aber sie bräuchte dringend Geld für die Behandlung. Es folgten noch ein paar solcher „Weichmacher“-Erklärungen und wir liesen uns auf einen Vorschuss von einer Woche ein.

2 Minuten später stand sie an unserer Tür. Wo kommt denn die so schnell her? Ist ja irre – na was soll’s. Ob sie denn keine Krankenverischerung hätte, frage ich sie, während sie stehend den Geldempfang quittiert. „Doch, nur da müsse sie zuerst in Vorleistung treten … blablabla.“ Wirklich interessiert hat es mich ohnehin nicht, da ich sowieso zu jeder denkbaren Antwort meine Zweifel haben würde.

Am Tag darauf ging es wieder zum Normalbetrieb über. Es folgte eine kurze Phase, wo sie doch tatsächlich erst arbeitete und dann ihr Geld bekam. Doch dann ging es wieder los: sie kam nicht zur Schule und war auch telefonisch nicht erreichbar. Am Folgetag das gleiche. Es vergingen 3 Tage, bis sie wieder kam. Ihrem Vater ging es sehr schlecht und sie holte ihn von Negros nach Cebu. Was machst Du da? Vielleicht stimmt es und ich rege mich dann auf, beschuldige die Frau dann vielleicht zu Unrecht? Klar ist das alles dubios. Aber sie macht gute Arbeit und eigentlich wollen wir sie nicht verlieren. Aber auf der anderen Seite kannst Du Dir auch nicht von ihr auf der Nase herum tanzen lassen!

Also sagte ich ihr, dass wir selbst genug Probleme haben und wir uns gegenseitig dabei sicher nicht helfen können. Des weiteren kann es natürlich nicht sein, dass man ohne Information einfach nicht kommt. Wir wollen weiter zusammen arbeiten, aber wir haben unsere Ziele, die wir erreichen wollen. Dazu gehört auch, dass unser Sohn eine kurzfristige Prüfung hat, wo ihm jetzt die Zeit fehlt. Sie meinte, nachdem ihr Vater jetzt in Cebu sei, wird es bei ihr wieder ruhiger und sie käme dann auch das nächste Wochenende. Also Friede, Freude, Eierkuchen – alles klar.

Bevor sie an dem Tag fertig ist, sie sitzt mit unserem Sohn eine Etage unter meinem Platz (nur die Treppe trennt uns und ich könnte wenn ich will, jedes Wort verstehen), sendet sie mir eine SMS mit dem Inhalt: „Kann ich heute noch Geld mitnehmen, mein Vater braucht unbedingt noch Medikamente.“ Die Frau ist ja mit allen Wassern gewaschen! Ich ärgere mich wahnsinnig. Trotzdem bin ich froh, jetzt meinen Ärger im stillen Kämmerlein abbauen zu können. Aber vermutlich hat sie auch das einkalkuliert. Denn berechnend ist sie – keine Frage!

Ich denke mir, solange die Vorauszahlungen im überschaubaren Bereich bleiben, verliert sie auch nicht die Lust zum Weiterarbeiten. Ausserdem kann sie es sich nicht erlauben, denn die Schule hat sie empfohlen und die würden sie in der Luft zerreissen und ihr kündigen, wenn sie Mist baut. Am nächsten Tag erscheint sie mit neuen Kleidern und neuen Schuhen. Es gibt wohl nichts, was man nicht noch steigern könnte … da gibt es einfach keinen Ausdruck für.

Aber Tess hat auch andere Seiten! So hatten wir das Problem, dass wir unsere Kinder an der Schule als Filipinos anmeldeten, aber noch keinen Nachweis dazu vorzeigen konnten. Sollten wir den nicht rechtzeitig beibringen, wird es extem teuer, da ausländische Kinder eine Gebühr entrichten müssen, die man nur als „absolut frechen Ausländeraufschlag“ bezeichnen kann. Des weiteren brauchten wir einen Nachweis der bisherigen Schulen. Als wir hier ankamen, dachten wir ok Zeugnisse geben wir ab und Staatsangehörigkeit der Kinder geht ja automatisch aus der Nationalität der Eltern hervor. Denkste – ein Fall von doppeltem Pustekuchen!

Also wir brauchen je Kind eine NSO-Geburtsurkunde, die wir aber nur via einer Late-Registrierung unserer Kinder bei der philippinischen Botschaft in Berlin erhalten. Hierfür müssen etliche Dinge nachgewiesen und jede Mange Erklärungen gemacht werden. Ausserdem kostet es Geld. Des weiteren muss das Abgangszeugnis unserer Kinder nicht nur im Original mit Übersetzung vorgelegt werden, nein es braucht eine ganz spezielle Verzierung, nämlich das „Red Ribbon“ der philippinischen Botschaft in Berlin. Wir druckten und schrieben fast einen ganzen Tag an den Dokumenten und gaben den Stapel einem Bekannten nach Deutschland mit. Weiterhin suchte ich in der Gebührentabelle die entsprechenden Gebühren aus und überwies das auf das Konto der  Botschaft. Was folgte erspare ich mir zu wiederholen, da ich fürchte, dass die daraus resultierende Aufregung entweder einen unerwarteten Herztod auslöst oder ich mir die Fäuste an den Wänden blutig schlage …

Fortsetzung folgt

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