Teacher „Tambok“

3. Teil

Kurz: monatelange Aufregung, keine Belege oder Dokumente, kein Gesprächspartner am Telefon (das beste war: „I only talk to your wife!“), das Geld hat man sonst wohin versiebt, usw. Irgendwann habe ich das ganze über eCensus gelöst. Aber das Geld für das „Red Ribbon“ war weg und nichts tat sich mehr. Jetzt wurde es zeitlich aber sehr eng und die Schule machte Druck. Ich kam mit dem original NSO-Dokument, aber ohne „Red Ribbon“-Zeugnisse. Die Schlaumeiertante die mir gegenüber am Tisch saß, hieß „Myra“. Sie erzählte mir was von, da muss ich Beschwerde beim „Aussenministerium“ einlegen und lies mich auch noch ihre Belehrung unterschreiben … Ich sagte ihr „Das sind IHRE Landsleute, die diesen Bockmist produzieren. Korrupte Säcke der übelsten Art!“ half zwar nix, aber es schützt Dich vorm Herzinfarkt zumindest vor irgendwelchen „inneren“ Explosionen. Ich dachte „da buche ich doch besser einen Flug nach Berlin, kaufe unterwegs noch eine Pumpgun und räum mal im Stil eines Terminators dort auf …“. Der Frust saß tief! Diese Ohnmacht kann man nicht in Worte fassen.

Doch da kam unsere Tess wieder ins Spiel. Ich erklärte ihr den Fall, dass wir keine Chance haben, rechtzeitig die von der Botschaft beglaubigten Zeugnisse vorzulegen, … sie machte sich Notizen und versprach Unterstützung. Am Folgetag sagte sie, ich solle mir keine Gedanken machen, Myra würde jetzt das Zeugnis direkt von der deutschen Schule anfordern, mehr braucht sie nicht. „Den Flug nach Berlin spar ich mir, ich kauf gleich eine Pumpgun …“ Das hältst Du doch im Kopf nicht aus! Ich lege ihr das Original und die Übersetzung eines vereidigten Dolmetschers auf den Tisch, das sie aber zur Seite schiebt, als sei es Klopapier. Das innert mich doch an was? Was war das nur? Ach richtig, der Erzbischoff von Cebu, der mich vor unserer Hochzeit damals auflaufen lies … (aber das ist eine andere Geschichte).

Tja das war also Tess von „rechts“, eine ganz andere Seite. Sie konnte nämlich ihre Genialität durchaus auch für uns einsetzen.

Und dann gab es Tess auch von „links“. Abends fuhr ich sie zur Straße vor, damit sie nicht mehr laufen musste. Wenn ich nicht da war oder eben mal nicht fahren konnte, dann hat unser Driver eben an dem Tag länger gearbeitet und sie vorgefahren. An einem Tag hatte ich Rückenschmerzen und konnte nicht fahren. Also fuhr unser Fahrer sie vor zur Strasse. Normalerweise braucht man dafür 5 Minuten. Nach einer halben Stunde war er aber immer noch nicht zurück. Der wird doch nicht … ? Doch, der Kasper hat sich von Tess breit labern lassen und die im schlimmsten Berufsverkehr nach Hause gefahren. Nach einer Stunde kam er zurück. Er musste sich eine Standpauke anhören, denn mit dem Geld was die verdient, hat sie keinen Anspruch auch noch auf einen privaten Chauffeur, den wir bezahlen! Als unser Fahrer das nächste mal Tess zur Straße vorfuhr, war er dann nach 5 Minuten zurück und jammerte, dass sie wieder versucht habe ihn zur Heimfahrt zu bewegen. Das Spiel wiederholte sich eigentlich regelmässig, so lange sie in unseren Diensten war.

Und dann hatte Tess noch viel mehr Seiten. So erzählte sie mir, dass sie mehrmals in der Woche nach dem Tutoring noch einen dritten Job ausübt, denn sie geht dann noch in ein Callcenter. „Bitte? Zum Telefonieren?“ Nein, sie macht dort die Buchhaltung. Also geht sie 3 mehr oder weniger gut bezahlten Jobs nach! Ich denke mir, bei aller Extravaganza die sie so mit sich bringt, fleissig ist sie trotz allem. Dass sie sich trotzdem um ihren todkranken Vater und ihre 3 fast erwachsenen Kinder so ernsthaft kümmert, hat sicher auch etwas damit zu tun, dass ihr Mann vor rund 10 Jahren durch einen Unfall plötzlich verstarb.

Aber an alle, die Tess bereits nach den ersten Zeilen auf den Mond schiessen wollten (und am besten Stevaro gleich mit): zeigt mir doch bitte mal in Deutschland ein paar Vergleiche zu ihr, dann reden wir weiter …

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