Tsismis (Gerüchte)

Tamara ist die Tochter von Marlin und Jose. Sie ist zum ersten mal in ihrem Leben richtig verliebt und sehr glücklich, denn sie hat jetzt einen Freund. Ja, sie ist ausser sich und kann ihr Glück kaum fassen. Stolz läuft sie mit ihm auf der Strasse und präsentiert dabei auch mal die neuen Schuhe oder das neue T-Shirt, das der Freund ihr spendiert. Das Leben kann sooo schön sein! Früher war sie arm und ihre Eltern auch. Aber nun geht es allen viel besser.

Wirklich? „Ja“, sie musste zur Schule und lernen, da das die einzige Hoffnung auf ein besseres Leben schien. Das muss sie jetzt nicht mehr, denn sie hat ja bereits ein besseres Leben. Nun gut, es gibt nichts was so perfekt ist, dass man es nicht noch verbessern könnte. Denn früher wohnte sie zusammen mit ihren Eltern bei ihrer Tante Gloria. Jetzt wohnt sie zwar immer noch da, aber wohl nicht mehr lange. Gloria hat ein sehr kleines Haus, muss aber keine Miete zahlen. Womit sollte sie dies auch bezahlen? Sie wohnt mit ihrer Familie im oberen kleinen Zimmer, das untere Zimmer hat sie vermietet an die Eltern von Tamara.

Die wohnen in diesem 4 qm kleinen Zimmerchen mit ihren beiden Kindern. Früher war es eng zu dritt und jetzt hat Tamara sogar noch ein Brüderchen bekommen. Dadurch wurde es noch enger. Das Brüderchen war weder geplant noch gewollt. Aber das pasiert in den Philippinen schon mal. Gut die Umstände die dazu führten sind schon etwas merkwürdig. Denn Jose, Tamaras Vater, war im letzten Jahr auf einer anderen Insel, um Geld zu verdienen. Er konnte immer nur alle 4 Wochen übers Wochenende nach hause. Während dieser Zeit flippte Tamaras Mutter, Marlin aus: so einsam, verlassen, kein Mann und dann noch eine Tochter im schwierigen Alter …

Sie ging oft weg, um Karten zu spielen und begann zu Trinken. Und immer wenn sie am Abend beschwippst war, dann hing sie mit fremden Männern rum. Die steckten ihr dann etwas Geld zu. Tamara ekelte sich davor, wie sie ihrer Tante Gloria anvertraute. Und dann wurde aber ihre Mutter schwanger. Schlagartig war Schluß mit lustig! Denn Marlin bekam Kreislaufprobleme und trank dann logischer weise auch keinen Alkohol mehr. Jose musste seine Arbeitsstelle quittieren und zu seiner Frau zurück. Sofort kümmerte er sich intensiv um seine schwangere Frau, die mit seiner Rückkehr jegliche Arbeit einstellte. Die Nachbarn tuschelten: „Jose, das Kind stammt von irgendeinem anderen Kerl!“ Er war nicht begeistert von dieser Meinung und sagte „alles Tsismis“. Trotzdem zog er sich zurück und vermeidet seitdem den Umgang mit diesen „Lügnern“.

Aber er passte ja jetzt auf seine schwangere Frau besser auf, wobei sie das teuer bezahlen mussten. Denn er konnte wegen seiner Frau nun nicht mehr arbeiten und blieb zuhause. Das Kiosk, das Marlin mal betrieb, haben sie nachdem alle Waren verkauft, verschenkt oder durch Eigenverzehr aufgebraucht waren, geschlossen. Auch den Kühlschrank, den sie mal von ihrer Schwester geschenkt bekamen, mussten sie verkaufen. Denn dieses uralte Modell hat einen extrem hohen Stromverbrauch. Gloria, die das Zimmer vermietet, fiel damals aus allen Wolken. Denn der Strom geht zusammen über einen Zähler. Schlagartig war die Stromrechnung bei 3.000 Pesos. Sie konnte nicht zahlen und Jose ebenso wenig. Also musste Gloria und ihr Mann, bei seinem Arbeitgeber eine Abtretung an Veco (den Stromlieferanten) unterschreiben, damit sie über Nacht nicht im Dunkeln sitzen. Seitdem werden in Raten die Stromschulden abgestottert. Aber beim nächsten Stottern, klemmen die den Strom ab!

Jose und seine Frau bestreiten bis heute, dass ihr alter Kühlschrank das verursachte. Sie hätten den auch nur verschenkt, da es ansonsten wohl Prügel von Glorias Mann gegeben hätte. Trotzdem ist die Stromrechnung noch immer recht hoch. Gloria sieht immer das Licht in Joses Zimmer brennen und der Ventilator läuft auch rund um die Uhr. Sie beschwerte sich bei ihnen und fordert ihr Geld. Aber sie hätten keines. „Dann müsst ihr ausziehen!“ meinte sie zu Marlin. „Wir bleiben, Du kannst uns gar nichts vorschreiben!“ bekommt sie als Antwort. Doch Gloria hat ja auch kaum was zu Essen – ein Haus voller Elend!

Doch nun hat ja Tamara ihren Freund. Alle, ausser Gloria, sind nun glücklich. Denn die sitzt nämlich immer noch auf ihrer Rechnung und bekommt das Gefühl, dass Geld wohl doch den Charakter verderben kann. Sie meint „Hast Du nichts – dann hast Du Probleme. Hast Du Geld, dann hast Du noch mehr Probleme.“

Im Hause (oder sagen wir besser im Zimmerchen) von Jose, Marlin, Tamara und dem Baby, gibt es wieder zu Essen, es gibt Kleider und Schuhe. Dass Tamara vor ein paar Tagen erst 14 Jahre alt wurde, nun das ist ein kleiner Schönheitsfleck, aber eigentlich nicht so tragisch (meint Marlin, Tamaras Mutter). Immerhin ist Tamaras neuer Freund doch schon über 40 Jahre alt und weiß doch was er tut! Aber sicher weiß er das, denn es ist ihnen auch zu Ohren gekommen, dass dieser 40 jährige Filippino, auf kleine Mädchen steht! Er hätte sogar gleichzeitig mehrere solch junger Freundinnen …

Mir gefriert das Blut in den Adern, „Alles nur Tsismis?“

Uebrigens gibt es all die Geschichten von Stevaro auch in einem Buch und das findet ihr hier:   Stevaros World

Share This Post
Related Posts
Georg und Otto 1. Teil
Bin einige Tage unterwegs
Biliran 1. Teil

Leave Your Comment

Your Name*
Your Webpage

Your Comment*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>