TV – Reparatur 2. Teil

Da meine bisherigen Garantiefälle auf den Philippinen sich alle als sehr aufwendig gestalteten, zumindest im Vergleich zu Deutschland, und sich auch dieser Fall nach dem ersten Anruf bereits kompliziert anhörte, dachten wir, dass der Mann von Tess da mal schauen kann. Nach dem Frühstück kommt er. Wir erklären ihm die Sache: Stromausfall, Strom zurück, Fernseher streikt, Strom aus verschiedenen Steckdosen getestet …

Er nimmt erst mal die ganze Kiste auseinander. Au weia, hoffentlich bleiben da nicht irgendwelche Teile am Schluß über! Er meint der Fernseher sei schon mal von irgend jemandem auseinander genommen worden. „Also bei uns nicht.“ Ja dann war das vorher, denn er würde Öffnungsspuren sehen. Ist mir eigentlich egal, solange der läuft und ordentlich ausschaut, was er zugegebenermassen im Moment aber nicht tut. Die Sicherung sei defekt, 15 Ampere. Ich habe aber nur 6,3 Ampere hier. Er testet – pöff – unter ähnlichem Geräusch schmolz sie durch. Er meint, er müsse im Store eine 15A Sicherung holen, die würden auch nur 5 Pesos kosten. „Ist ok, aber nimm gleich 3 Stück mit.“ Meine Befürchtung bewahrheitet sich, denn als er zurück kommt und die erste der neuen Sicherungen testet, verabschiedet die sich wie meine 6,3A Sicherung. Ob ich denn ein Messgerät hätte. „Leider nein, meines ging in Deutschland kurz vorm Abflug ‚über den Jordan‘. Da ich nicht unbedingt erwartete es hier zu benötigen, habe ich keines mehr gekauft.“ Ja er kennt jemand, der eins hat, mit dem würde er dann abends kommen. Nur dem muss er dann was bezahlen, dachten wir, da er von sich aus solche Dinge niemals anspricht.

Nun wir warteten, da er ja bis 9 Uhr arbeitet und dann kam er mit dem „Kollegen“. Sie packen ihr Messgerät aus und los gings. Die beiden checkten ein Bauteil nach dem anderen. „Das Teil hier ist kaputt. 120k“ meint er. Das ist nicht der Preis, sondern der Wert den das Teil in Ohm haben sollte. „Das ist aber nur ein kleiner Widerstand. Normal geht sowas nur kaputt, wenn schon viel mehr kaputt ist.“ Soviel erinnere ich mich zumindest an meine „Elektronik-Phase“. Er zeigt mirs gleich nochmal, tatsächlich kaputt. Aber immerhin habe ich ihn misstrauisch gemacht, die beiden prüfen weiter. Und so finden sie noch 2 weitere Bauteile, die defekt seien. Gut wir geben ihnen das Geld zum Kauf der elektronischen Ersatzteile und so kommen sie am anderen Tag wieder. Sie löten die Teile ein, aber der Fernseher läuft noch immer nicht. Sie messen weiter, aha da finden sie wieder 2-3 Teile, die defekt sind. Gleiches Spiel wie am Vortag: wir geben den beiden Geld mit zum Ersatzteilkauf, am nächsten Tag kommen sie wieder mit den Teilen, löten die ein und …. Mist! Geht immer noch nicht.

Die Prozedur wiederholt sich noch weitere zwei mal. Ich sag zu meiner Frau: „Das macht keinen Sinn! Bei der Rückkehr des Stromes nach dem Stromausfall, kam der Strom mit solch einer Spannungsspitze zurück, dass bevor die Sicherung durchschmolz, auf der Platine die empfindlichen Bauteile kaputt gingen. Versuche das bitte denen zu erklären, wir machen ihnen ja keinen Vorwurf. Die haben beide das bestmögliche getan, gib denen Geld für ihre Arbeit und dann bringen wir den Fernseher zur Garantiewerkstatt.“ OK. Nach ein paar Minuten kommt sie zurück und meint: „Stell Dir vor die wollen kein Geld nehmen. Die schämen sich weil sie die Kiste noch nicht zum Laufen gebracht haben.“ Sie wollten unbedingt am Folgetag weitermachen. Die haben auch gesagt, welches Teil noch defekt sei … Wir müssen lachen, da wir gerade die Situation auf Deutschland übertragen. Da hätten die beiden am ersten Tag mit Sicherheit gesagt: „Also unser Lohn sind so und soviel Euro. Tut uns leid um Euren Fernseher, aber den könnt ihr auf den Müll schmeißen, der ist irreparabel.“

Am anderen Morgen sprechen wir mit Tess und erklären ihr, dass wir verstehen, dass ihr Mann hier den Ehrgeiz hat den Fernseher wieder zum Laufen zu bringen. Aber da durch den Stromschlag zuviel kaputt gegangen sei, machen wir niemandem einen Vorwurf und wollen den zur Werkstatt bringen. Sie geht kurz nach Hause und sagt wohl ihrem Mann Bescheid. Kurz darauf kommt er und meint: „Also das Bauteil was noch defekt sei, bekäme er nicht im Store.“ Wir wissen, der war gar nicht im Store, sondern versucht nur einen Weg einzuschlagen, sein Gesicht nicht zu verlieren. Wir sagen ihm, dass dies nicht so schlimm sei, da wahrscheinlich die ganze Platine defekt ist. Er kann wieder lächeln, denn er merkt er verliert sein Gesicht nicht. „Ja da ist wahrscheinlich noch mehr kaputt.“ meint er. Jetzt nimmt er auch das Geld für seine Arbeit.

Wir sind froh ihn auf der Nachbarschaft zu haben, auch wenn es dieses mal nicht zum erhofften Ergebnis führte.

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