Unfall mit dem Bus

Es war 1992 gewesen, und ich war auf dem Weg von Cagayan de Oro nach Bukidnon zu unserer Farm. Ich bestieg im Agora Busbahnhof am fruehen nachmittag den Bus nach Malaybalay und wir rollten so gegen 14 Uhr los.  Der Busfahrer ging recht forsch zu werke, aber das machen ja die meisten – auch heute noch. Bereits 45 Minuten spaeter erreichten wir Manolo Fortich und kamen in das Gebiet, vor dem ich am einen echten Respekt habe, dem Mangima River Canyon. Es handelt sich um eine tiefe Schlucht mit einem Hoehenunterschied of zirka 400m zum daruebergelegenen Hochplateu, in das der Mangima River im Laufe von einigen Milllionen Jahren eine tiefe Schlucht eingekerbt hat. Um eine Bruecke zu bauen ist der Canyon mit einigen Kilometern Breite dann doch zu breit, und so windet sich die Strasse in etlichen Haarnadelkurven von Manolo kommend in die Tiefe.

Wie ueblich bretterte der Bus viel zu schnell bergab und einige Mitfahrer beschwerten sich, so dass der Fahrer etwas langsamer fuhr. Unterwegs ging die Musik aus und der „Pilot“ begann die Kasette zu wechseln. Als wir auf die letzte Kurve zuschossen – viel zu schnell – war der Fahrer mit dem Wechseln beschaeftigt. Ich sah den Unfall kommen, denn wir schossen geradewegs auf die 160 Grad Kurve zu und wuerden mit Sicherheit in den Canyon fallen. Ich schrie wie ein Verrueckter: „Turn the wheel, turn the wheel!“ Der Fahrer blickte auf und erkannte die Gefahr und riss das Steuer nach rechts. Diesem Gewaltmanoever war der Bus nicht gewachsen und er fiel nach links. Ich hielt mich an der Haltestange fest und Sekunden spaeter hing ich an der Stange in der Luft. Ploetzlich war ich an der Decke mit meinen Fuessen und Bruchteile von Sekunden spaeter stand ich auf dem oberen Teil des Seitenfensters. Der Bus war zum Stillstand gekommen. Ich kletterte sofort zum offenen Fenster hinaus und stand oben auf dem Bus. Die Raeder zeigten Richtung Canyon und standen bereits ueber dem Rand der Schlucht.  Nur der dort aufgeschuetteten Erde hatten wir es zu verdanken, dass wir nicht den ganzen Weg hinuntergerollt sind. Von der letzten Kurve aus sind das immer noch etwa 80 Meter Hoehenunterschied bis zum Fluss. Ich lief zum vorderen Ende des Busses. Die Windschutzscheibe war heraus gebrochen und nun hoerte ich auch stoehnen, jammern und einige Schreie. Ein paar Leute kletterten vorne heraus. Ich half den Leuten heraus und als ich einer kaukasischen Frau geholfen hatte, die ein Baby auf dem Arm trug, unterbrach ich meine Taetigkeit, da die Frau und das Kind stark bluteten. Ich hatte nichts um die Blutung zu stillen und ihr Mann, der nach ihr raus kletterte, versuchte die Blutung mit seinem Taschentuch einzudaemmen. Anschliessend hielt ich einen San Miguel Beer Truck an, der Richtung CDO fuhr und bat sie das Paar mit dem Baby mitzunehmen um die Drei nach Cagayan de Oro ins Krankenhaus zu bringen. Der Fahrer stimmte zu und so waren die beiden Minuten spaeter auf dem Weg.

Danach hielt ich Fahrzeuge an, die in beide Richtungen fuhren und verteilte die Passagiere, wobei ich Verletzten, Frauen und Kindern den Vorzug gab. Da motzten zwar einige Maenner, aber das war mir egal. Einige waren nach CDO unterwegs, andere nach Malaybalay. Als der letzte Passagier eingeladen war, holte ich meine blutverschmierte Tasche aus dem Bus und bestieg die Ladeflaeche eines Pick ups, um nach Malaybalay zu fahren. Ich selbst hatte ausser einigen blauen Flecken keine Verletzungen davon getragen.  Der Konduktuer sass mit mir auf der Ladeflaeche und ich fragte ihn nach dem Fahrer. „Der ist abgehauen als erster“ meinte er lakonisch und drohte ihm Hoelle und Tod an, wenn er ihn erwischen wuerde.

Der Pick up brachte uns nach Malaynalay ins Krankenhaus, wo schon etliche der vorher abgeschickten Passagiere behandelt wurden bzw. noch darauf warteten. Die Polizei kam dann auch und befragte die Passagiere und als ich mit bekam, dass wiederholt auf mich gedeutet wurde, machte ich mich aus dem Staub. Man weiss ja nie, wie meine Hilfe interpretiert wuerde. Ich ging bei Freunden vorbei und informierte meine Frau per Funk – wir hatten ein Funkgeraet im Haus – dass ich wegen des Unfalles erst am naechsten Morgen kommen wuerde.Sie regte sich erst ein wenig auf, aber beruhigte sich schnell, als ich ihr wiederholt sagte, dass ich okay bin.

Ich uebernachtete in Malaybalay und fuhr am naechsten Morgen nach Maagnao, wo wir damals lebten.

Einige Wochen spaeter bekam ich unerwarteten Besuch. Es war der philippinische Ehemann der kaukasischen Frau, die ich als erste in den SMB Truck „verladen“ hatte. Er stellte sich als Pastor Gadavos vor und er war gekommen um sich bei mir zu bedanken und um mich zu informieren, dass seine Frau und das Baby wohlauf seien.

In all den Jahren in Bukidnon blieben wir mit ihm und seiner Familie befreundet. Von anderen Mitfahrern oder von der Polizei habe ich nichts gehoert.

 

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7 Comments
  • Reply

    hi,

    lebst du immer noch auf den Philippinen?

  • Reply

    hi,

    bist du immer noch auf den Philippinen?

  • Reply

    Ist das evtl. der Vater von Waway Saway? Weil den kenn ich persönlich. Sein Bruder müsste Datu Mig sein, der Häuptling des Talaandig Tribes:)

  • Reply

    Sehr anschaulich geschrieben, und gleichzeitig etwas beängstigend. Das erinnert mich ein wenig an meine Fahrt von Puerto Princesa nach Sabang, als wir einmal recht knapp am Abgrund vorbei geschrammt sind – ich will gar nicht wissen, wie viele Jeepneys da schon abgestürzt sind.

    Von Cagayan nach Bukidnon war ich auch schon mal unterwegs – bis nach Lantapan, um die Talaandig zu besuchen. Das war ein tolles Erlebnis, und ich möchte diese Erfahrung nicht missen. Die Landschaft dort gehört für mich zur schönsten auf den Philippinen überhaupt!

    • Kai
      Reply

      Bei den Talaandig habe ich waehrend meiner Farmzeiten jahrelang gelebt. Adolino Saway, der ihnen auch bekannt sein sollte, war ein guter Freund von mir.

  • muurer
    Reply

    Einmal mehr: Danke für deine meist hoch spannenden Geschichten. Ich finde durch nachschlagen via Google Earth viele interessante Gebiete und du bringst mir die Philippinen immer wieder ein Stück näher. Danke !!

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