Unser Stock Yard in Wilson und Ben 2. Teil

Es ging los! In den naechsten Tagen bestellten wir Holz um die Oberbeplankung des Anlegesteges in Wilson zu verstaerken. Wir stellten auch breite Keile her, die vor den Abschlussbalken des Piers gelegt eine Art Rampe bilden sollten. Zudem begannen wir den Stock Yard zu betonieren und kauften Zement und die Leute vom Dorf organisierten Sand und Kies und hatten damit eine Verdienstmoeglichkeit, was natuerlich alle erfreute.

Und wir stellten Ben Navas, Lorenzos Bruder und Ehemann von Indays Tante ein, das alles zu ueberwachen. Und ich muss sagen, dass Ben gleich Feuer und Flamme war, aber ich war neugierig, wie lange die Begeisterung anhalten wuerde. So maches Strohfeuer ist oft nach einigen Wochen erloschen oder brannte auf absoluter Sparflamme weiter.

Jeden Tag verbrachte ich einige Stunden in Wilson um sicher zu gehen, dass die Arbeiten Fortschritt machten und wir insbesondere beim Abladen der Maschinerie keine Probleme bekommen wuerden. Der Barangay Captain war auch jeden Tag etliche Stunden am Pier. Er wollte natuerlich sicher gehen, dass die Umbauten aund Ausbesserungen den normalen Passagierverkehr nicht behindern wuerden und er wollte seinen „Anteil“ am Fortschritt im Dorf haben, denn die „Improvements“ wuerden ihm bei der naechsten Wahl wohl als „Pogipunkte“ angerechnet werden. Das ganze ging so weit, dass nach einigen Tagen sogar ein Team einer Raadiostation auftauchte und Interviews machte, wobei der Captain eine sehr bedeutende Rolle spielte. Das ganze klang am Ende fast so, als ob er das alles aus der eigenen Tasche bezahlte.

Wir waren noch nicht ganz fertig mit der Verstaerkung vom Pier, als ein Motorrad bei mir morgens zum Haus kam um mich zu informieren, dass der LCT mit den Fahrzeugen angekommen sei. Ich fuhr also so schnell wie moeglich mit dem Habal Habal nach Wilson um das ausladen zu ueberwachen. Dort angekommen ordnete ich zuerst das Auflegen von Bohlen auf den Teilen an die noch nicht fertig geworden waren. Dann begannen wir mit dem abladen. Der Weapons Carrier stellte kein Problem da, der Kipplaster war da schon etwas schwieriger, und der Fahrer fuhr recht schnell ueber die ausgelegten Bohlen und da knisterte es schon ziemlich laut im Untergebaelk.  Mit dem Schaufellader waren wir sehr vorsichtig; wir legten eine zweite Reihe von Planken auf, nachdem wir vorher das ganze mit Querplanken darunter verstaerkt hatten. Langsam rollte der Lader ueber diese Behelfsverstaerkung und durch die Doppellage verteilte sich das Gewicht so gut, dass es nicht mal knisterte. Wir hatten die Dinger abgeladen und am naechsten Tag gingen die Arbeiten am Pier und am Stock Yard weiter. Die beiden Lastwagen verbrachten wir nach Donna Helene, wo sie auch gleich zum Arbeiten eingesetzt wurden. Aber oh weh; wir rechneten nicht mit dem was dann kam.

Bereits am naechsten Tag gab es eine Vorladung zum Barangay Captain, wo einige der Arbeiter, die die Erzsaecke bis jetzt entweder auf dem Ruecken oder mit Carabaos zum Verladeplatz brachten, sich beschwerten, dass der Einsatz der Fahrzeuge sie um ihr Einkommen braechte. Wir argumentierten, dass ja genug Produzenten da waeren, die keine Fahrzeuge hatten und sich weiterhin auf die manuelle Arbeit verlassen muessen und auch wir nach wie vor Arbeiter braeuchten, da ja auf und beim Carrier auch abgeladen werden musste.  Das Argument zog zwar, aber nun wollten die Arbeiter fuer das auf und abladen die gleiche Summe haben wie fuer den gesamten Transport. Das hatte natuerlich fuer uns keinerlei Sinn, denn statt Kosten zu senken, wuerden wir unsere Kosten erhoehen. Wir stimmten nicht zu.

Am naechsten Tag streikten die Arbeiter und bauten Strassensperren auf um die Fahrzeuge zu behindern. Wir konnten also nichts transportieren. Nun wurde ich meinerseits auch hartnaeckig und aenderte einige Regeln. Bezahlung fuer Minenproduktion gab es nun erst wenn die Produktion am Verladeplatz ankaeme und ich setzte den Ankaufspreis fest, der den Transport mit einschloss. Zudem parkte ich die LKWs am Tor zum Verladeplatz und nahm den Arbeitern die Moeglichkeit dort durch zu laufen. Nun mussten sie entweder ueber den Zaun klaettern oder den Zaun der Gemeinde beschaedigen fuer ein zweites Tor. Dem Captain passte dieser „Arbeitkrieg“ ueberhaupt nicht und er verbot ein ueberklettern der LKWS oder des Zaunes. Da alle Aufkaeufer innerhalb des umzaeunten Gelaendes waren bekam nun keiner was und fuer drei Tage stand alles still.

Dann gaben die Arbeiter nach, wir einigten auf akzeptable Kosten fuer das auf und abladen, andere Haendler wurden nach wie vor manuell beliefert und das Erz rollte wieder. Nach einigen Tagen kristallisierte sich heraus, dass die Arbeiter beim auf und abladen mehr verdienten als am manuellen Transport, da natuerlich viel mehr pro Tag transportiert werden konnte. Nun begann die Streiterei, wer laden duerfe und wer manuell schleppte. Um dieses Problem zu loesen liess ich einfach rotieren und es kam jeder mit dem Laden regelmaessig dran und alle konnten von der Mehrverdiensten profitieren.

Nach etwa drei Wochen gab es die erste Fahrzeugpanne. Beim Weapons Carrier hatten sich wegen des Gerumpels auf praktisch nicht vorhandenen Strassen einige Schrauben geloest, und die Achse war am heraus rutschen. Gluecklicherweise wurde es rechtzeitig bemerkt und nach dem voruebergehenden abladen konnte das ohne Probleme repariert werden. Nun wurden eben jeden Abend nach getaner Arbeit alle Schrauben bei den Fagrzeugen gecheckt und gegebenenfalls nach gezogen. So lief dann alles ganz prima.

Dafuer gab es Probleme in Wilson, denn der Platz, den wir fleissig betonierten, sollte auf einmal nicht mehr der Gemeinde gehoeren. Ein alter Mann kam mit einer uralten Steuererklaerung an und behauptete Eigentuemer zu sein, da er vor ueber 30 Jahren ja die Steuern fuer das Land bezahlt hatte. Land, das keinen Titel hatte, konnte offiziell niemandem gehoeren und da die Steuern auch seit 30 Jahren nicht mehr gezahlt worden waren, verwarf der Captain diese Ansprueche sofort.

Am naechsten Morgen sass der alte Mann mitten auf der betonierten Flaeche mit einer Schrotflinte im Arm und weigerte sich das Land zu verlassen. Jeden, der auch nur das Land betrat, bedrohte er. Wir hatten eine sehr heikle Situation; Verhandlungen waren nicht moeglich, da er niemanden an sich heran liess.

Fortsetzung folgt

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