Unser Stock Yard in Wilson und Ben 4. Teil

Ben arbeitete sehr gewissenhaft und ich war angenehm ueberrascht. Die ersten Lieferungen wurden nun auch direkt von Produzenten nach Wilson gebracht, da wir dort einen hoeheren Preis bezahlten als an den Produktionsstaetten. Erwin kam fast taeglich mit seinem Boot um Erz zu bringen, wobei erwaehnenwert waere, dass das Boot von Erwin das einzige motorisierte Boot ohne Ausleger war. Heute sieht man ein paar mehr, aber sie sind nach wie vor die Ausnahme.

Innerhalb von 10 Tagen hatten wir genug Erz um einen zweiten LCT laden zu koennen und ich rief von Surigao City aus bei Horizon in Cagayan an um die Verladung zu organisieren. Am gleichen Tag machten wir auch die Papiere fertig und hier erlebten wir unsere erste „Ueberraschung“. Der Chef vom BIR wollte uns auf einmal die „Tax Clearance“ nicht mehr geben ohne zusaetzlich an ihn einen „Obulus“ zu zahlen, wobei er 20k verlangte, was fuer einen Obulus viel zu viel war, da wir ja den richtigen Steuerbetrag abloehnten. Ein Trinkgeld waere ja in Ordnung gewesen, aber so ging es eben nicht. Indays Onkel begann mit ihm regelrecht herum zu streiten, aber der „Gute“ erschien sehr hartnaeckig und wollte den Preis nicht senken. Wir entschieden uns ohne die Steuerpapiere zu laden, aber wir hatten ja die Quittung fuer die bezahlten Steuern und Tio – so wurde der Onkel von allen genannt – war sich sicher die Ladung bewerkstelligen zu koennen.

Im Baureau of Mines (heute DENR – Department of Environment and Natural Resources) lief alles glatt und so fuhren wir nach Dinagat zurueck.

Der Ladetag kam und alle standen sie bereit um zu kassieren. Die Gemeinde wollte den vereinbarten Betrag haben, Die INP kam vorbei und wurde wegen der fehlenden Tax Declaration von Tio mit 2000 Pesos „bestochen“, die PC holte sich auch ihren „Anteil“ ab und dann stand sogar der Barangay Captain von Dona Helene auf der Platte, denn der wollte auch Kohle. Die verweigerten wir und als er meinte, dass das Erz ja auf dem Gebiet von Dona Helene geschuerft wuerde, waere es wohl angebracht trotzdem zu bezahlen. Allerdings gehoerten die Minen zu Tacabaca und dort war immer schon vor dem Transport nach Wilson bezahlt worden. Dona Helene hatte wohl keine Ansprueche zu machen und der gute Mann war sehr erbost als er ging.

Es dauerte keine Stunde und der Buergermeister von San Jose, das damals noch keine Municipality war, wollte auch Kohle haben. Nun mit denen hatten wir ja gar nichts zu tun. Wir lebten dort, hatten aber keinerlei geschaeftliche Aktionen, aber er war ja ein Ecleo wie er betonte und haette wohl ein Recht darauf. Mein Onkel stritt auch mit ihm und er zog unverrichteter Dinge von dannen.

Das Laden ging recht schnell und nachdem die Coast Guard auch befriedigt worden war, legte der LCT ab und machte sich auf den Weg. Etwa eine Stunde spaeter kam der Barangay Captain von San Jose zurueck und trug eine gerichtliche Verfuegung mit sich, die der Richter in Rizal, der zustaendigen Gemeinde, ausgestellt hatte. Es erscheint fast ueberfluessig zu erwaehnen, dass der „Judge“ auch ein Ecleo war. Gemaess der Verfuegung duerfe der LCT nur abfahren, wenn an San Jose der geforderte Betrag bezahlt wuerde. Bedauerlicherweise war der LCT schon weg und so bezahlten wir natuerlich nichts. Aber wir ahnten den Zirkus schon, den es beim naechstenmal geben wuerde. Auf alle Faelle hatte sich Tio so ziemlich mit jedem zerstritten, der etwas wollte und kein Beamter gewesen war, wobei er aber auch mit denen nicht gerade zimperlich umgegangen war. Und er hatte so seine Ideen fuer die naechste Verschiffung.

Die naechsten zwei Wochen verliefen friedlich, aber als wir die naechste „Tax Clearance“ wollten, wiederholte sich der Zirkus. Diesesmal wollte der Bursche 30k haben, aber Tio bezahlte nichts und wollte wie beim letztenmal nur mit der Quittung laden.

Wir hatten uns allerdings etwas neues ausgedacht. Wir wollten nachts laden um den ganzen „Geiern“ aus dem Weg zu gehen. Das klappte wunderbar und morgens um fuenf Uhr war das Schiff geladen und fuhr los. Die einzige Behoerde, die das mit bekam, war die Coast Guard und die bekamen den gleichen Betrag wie beim letzten Mal.

Aber natuerlich erfuhren am naechsten Morgen die „Geprellten“ innerhalb weniger Stunden von unserer Nacht und Nebel Aktion und kamen vorbei um zu „protestieren“.  Tio liess sie „abfahren“ und begruendete die „Night Action“ mit der ueblen Tageshitze. Und so waren wir dann schon in etwa vorbereitet auf das, was kommen sollte. Aber Tio hatte noch ein Ass im Aermel.

Es war mal wieder so weit und wieder versuchten wir die Tax Clearance zu bekommen und wieder schauten wir in die Roehre. Der Chef vom BIR schraubte seine Forderungen noch einmal 10k hoeher und wir zogen nur mit der Quittung bewaffnet ab.

Wieder sollte es eine Nachtaktion werden, aber die ganze Zeit lungerten zwei Motorradfahrer um den Stock Yard herum und verzogen sich auch nicht nach Einbruch der Dunkelheit. Wir hatten noch zwei Tage, bis der LCT ankommen sollte und Ben begann auf Anweisung von Tio mit den beiden Habab Habal Fahrern „Fraundschaft“ zu schliessen. Am zweiten Abend soffen sie schon Tanduay zusammen und am Nachmittag vor der Ankunft begann Ben Tanduay zu servieren und gegen sieben waren alle einschliesslich Ben total blau und schliefen ein. Eine Stunde spaeter kam der LCT und bei Morgengrauen legte er ab. Einmal mehr hatten wir den „Aasgeiern“ ein Schnippchen geschlagen. Ich waere gerne ein „Maeuschen“ gewesen um zu hoeren, was die „hohen Herren“ zu sagen hatten, als sie das erfuhren.

Beim naechstenmal sollte uns das aber nicht mehr gelingen.

Und richtig, als wieder die Ladezeit gekommen war, lief im Vorfeld alles ab wie gehabt; der BIR Heini wurde immer gieriger und diesesmal waren andere Motorradfahrer da, mit denen Ben keine „Fraundschaft“ schliessen konnte.

Der LCT kam an und die Motorradfahrer fuhren ab um ihre Auftraggeber zu verstaendigen.

Wir harrten der Dinge, die da kommen sollten.

Fortsetzung folgt

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1 Comment
  • Reply

    Und wieder das BIR. Der neue BIR Chef hatte vor 2 Wochen gesagt, dass er nicht glaube, die Austreibung Korruption zu Lebenszeiten zu erleben.
    Die BIR Tanten und Onkel sind wirklich von der schlimmsten Sorte.

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