Unser Stock Yard in Wilson und Ben 1. Teil

Unser Chromerzgeschaeft lief ja sehr gut und so entschlossen wir uns im November 1988, kurz nach dem Untergang der MB Bayreuth, in Wilson ein Lager fuer das Chromerz anzulegen.  Dafuer gab es viele Gruende, wie zum Beispiel einfachere Bewachung, weniger Verluste des sandigen Erzes  durch heftigen Regen da betoniert, Verladung mit dem Payloader, Anfahren in groesseren Mengen mit Truck, Lieferung von anderen Gegenden per Boot und eine wesentlich weniger gierige Gemeinde. Im Gegenteil, die Gemeinde war froh ueber unsere Entscheidung und wuerde nur ein fuenftel von dem verlangen, was andere Gemeinden wollten. Und so setzten wir den Plan in die Tat um.

Aber zuerst wuerden wir natuerlich die benoetigte Maschinerie kaufen muessen. Wir brauchten einen normalen Dumptruck, einen Truck mit Vierradantrieb, um in entlegene Gegenden zu kommen wie Camp Seven und einen Schaufellader. Also machten wir uns auf nach Cagayan. Lorenzo begleitete mich, da er dort lebte und sich auskannte. Und er hatte ein Motorrad, so dass wir in der Stadt ohne Probleme ueberall hin konnten.

Wie macht man das nun? Etwas von einem Haendler kaufen wollten wir eigentlich nicht, denn es gab weder Garantie noch Kundendienst und es waere bei einem Haendler eh viel zu teuer gewesen. Also gebraucht von „privat“ – naja so wirklich privat nicht sondern schon von Firmen, da Privatleute ja selten mit einem Kipplaster durch die Gegend fuhren.

Zuerst lief uns also ein sogenannter „Weapon Carrier“ ueber den „Weg“.  Es handelte sich hier um einen alten Militaerkleinlastwagen, der fuer Transportzwecke umgebaut worden war und etwa das 3-4 fache seiner Nennlast von einer knappen Tonne tragen konnte. Aber als Militaerlaster hatte er eben Allrad, der bei den „Strassen“ in die Berge, die zum Teil nur bessere Trampelpfade waren, dringend benoetigt wurde. Da der Wagen relativ gut in Schuss war – mit kleineren Reparaturen musste man bei Gebrauchtwagen sowieso rechnen – kauften wir ihn fuer stolze 45.000 Pesos. Heute muss man in gutem ueberholten Zustand fuer die Dinger etwa 160k berappen.

Auch einige Dumptrucks wurden uns alsbald angeboten und einer davon war recht gut erhalten und sollte 175.000 Pesos kosten. Wir handelten den Truck noch auf 150k herunter, da der Verkaeufer dringend Geld brauchte, da er einen Krankheitsfall in der Familie hatten.

Das naechste war ein Schaufellader und hier gestaltete sich die Suche schon etwas schwieriger. Wir hoerten schliesslich von einer Baufirma, die Pleite gemacht hatte, und in drei Tagen sollte die Auktion der Konkursmasse sein. Darauf warteten wir nun.

Innerhalb von zwei Tagen war alles fuer die beiden Trucks geregelt, die Papiere waren umgeschrieben und die Transporterlaubnis war von der Polizei genehmigt worden. Die benoetigte man damals um das Transportieren von gestolenen Autos zu erschweren. Heute ist das allerdings nicht mehr noetig.

Danach besprachen wir den Transport mit Horizon, die in einigen Tagen Chromerz von Dinagat abholen wollten. Ein LCT wuerde den Transport natuerlich erleichtern, da er im Bugbereich nicht auf tiefes Wasser angewiesen ist, und das Wasser war am Pier in Wilson bei Flut gerade mal drei Meter tief, da es sich um eine Bucht handelte, die auch bei Taifunen von grossen Wellen verschont blieb. Sie stimmten zu die beiden Fahrzeuge mitzunehmen und auch den Schaufellader, falls wir den Zuschlag bekommen sollten.

Der Tag der Versteigerung kam und wir waren morgens um neun Uhr puenktlich zur Stelle. Wer natuerlich nicht puenktlich war, war der Sheriff. (Der Gerichtsvollzieher wird auf den Philippinen offiziell als Sheriff bezeichnet) Endlich kam der und verkuendigte, dass die Firma bessere Angebote bekommen hatte, als die Versteigerung erbringen koennte. Allerdings wollte diese Firma nur die 28 Trucks kaufen und die andere Maschinerie wuerde also doch noch zur Versteigerung gelangen. Die meisten Bieter standen auf und verliessen den Raum. Nur wir und zwei andere blieben uebrig, wobei wir von dem einen wussten, dass er die zwei grossen Generatoren der Firma wollte. Was der andere im Sinn hatte war uns nicht bekannt.

Die Versteigerung ging los und die ersten fuenf Angebote blieben liegen. Es handelte sich um vier Bagger und einen Kran. Dann kamen die Generatoren, die besagter Bieter zum Ausrufpreis ersteigerte. Der dritte Bieter hatte noch keinen Mucks gemacht und da nicht mehr viel kommen sollte, dachten wir, dass der den Schaufellader auch will. Und wir schienen recht zu behalten, denn als die beiden Planierraupen dran kamen, bot er und erhielt den Zuschlag ohne Gegengebot. Dann kam der Schaufellader und Insong (Lorenzos Spitzname) wollte sofort bieten. Ich hielt ihn zurueck, da ich erst sehen wollte ob der andere Bieter einstieg. Er stieg nicht ein und ich machte ein Gegengebot von Ausruf minus 10%. Das war gemaess den Bestimmungen der Auktion zulaessig und der Sheriff befragte die beiden Herren – wohl die Konkursverwalter – ob sie das Untergebot annehmen wuerden. Sie nahmen und wir hatten unseren Schaufellader. Aber etwas konnte man daran wieder mal deutlich sehen. Keiner der Bieter hatte die Versteigerungsbedingungen gelesen und keiner ein Untergebot gemacht. Auch Lorenzo hatte sich das nicht durch gesehen. Ist wie mit Gebrauchanweisungen, die liest der Durchschnittsfilipino auch nicht. Uns sparte dieses Untergebot immerhin 28.000 Pesos. Wir bezahlten dann drei Stunden spaeter mit einem Managers Check und konnten den Lader gleich mitnehmen. Die Ummeldung organisierte Horizon fuer uns und wir fuhren am naechsten Tag nach Dinagat zurueck.

Dort hatten wir eine Menge zu tun. Wir mussten den neuen Stockyard betonieren, die Genehmigung hatte die Gemeinde schon erteilt und wir mussten am Pier die Holzbeplankung verstaerken. Das Untergebaelk des Anlegestegs war solide, die Pfosten waren aus Beton, aber die Planken waren schon arg verwittert. Der LCT sollte in etwa einer Woche in Dinagat sein. Da musste der „Pantalan“ dann schon das Abladen der Fahrzeuge aushalten, denn aus dem Wasser wollten wir die nicht unbedingt herausholen.

Fortsetzung folgt

Share This Post
Related Posts
Eifersucht 4. Teil
Bantayan – alles halb so schlimm 3. Teil
Bild der Woche

Leave Your Comment

Your Name*
Your Webpage

Your Comment*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>