Unsere Bangka 3. Teil

Als das groesste Problem am naechsten Morgen erwies es sich, den Motor vom Hafen in Surigao zum Pantalon Uno zu schaffen, dem Pier an dem die ganzen Pumpboats anlegten. Ich versuchte einen kleinen Lastwagen zu finden, aber das war unmoeglich. Einer der Hafenarbeiter schlug vor, den Motor mit einem Handwagen zum Pantalan Uno zu bringen, aber ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie das gemacht werden sollte. Nun damals war ich noch nicht lange genug auf den Philippinen und hatte nur sehr wenig Erfahrung mit dem Improvisationstalent der Filipinos.

Zuerst wurden drei grosse Querbalken in der Breite des Handwagens quer aufgelegt und dann wurde der Motor von etwa 12 Leuten Zentimeter fuer Zentimeter auf drei dicken Bohlen seitlich hochgewuchtet, bis er auf Hoehe der vorher aufgelegten Balken war. Nun galt es den Motor seitlich auf den Wagen zu schieben, was etwa 20 zusaetzliche Leute veranlasste, sich mit ihrem ganzen Gewicht auf der anderen Seite des Handwagen aufzulehnen. Es dauerte etwa eine Stunde vom ersten Anpacken bis der Motor auf dem Handwagen war.

Nun wurde das Pushcart von zirka 10 Maennern langsam die knappen zwei Kilometer zum Pier geschoben, wo die Bangka, die nach Paniog fuhr, schon informiert war und warten wuerde bis die Fracht angekommen war. Eine knappe Stunde spaeter waren wir angekommen und nun begann das Verladen auf das Boot. Ich konnte mir gar nicht vorstellen, wie das mit den schmalen Gangways gemacht werden sollte. Aber einmal mehr lernte ich, wie die Filipinos mit schwierigen Arbeiten fertig werden. Vom Handwagen musste der Motor zuerst auf eine ca 70 Zentimeter hohe Mauer geschafft werden, die auf der Krone hoechsten 30 Zentimeter breit war. Nach etwa 30 Minuten war der Motor oben und nun wurde er angehoben, um auf zwei dicke Bohlen geschoben zu werden, die auf das Pumpboat fuehrten und auf dem Boot mit dicken Seilen gesichert waren. Langsam glitt der Motor von Seilen gehalten nach unten, als er ploetzlich nach rechts rutschte und fast ins Wasser fiel. Aber die Filipinos auf der anderen Seite schrien und legten sich in die Seile bis der Motor wieder einigermassen mittig auf den beiden Bohlen auflag. Die ganze Zeit bewegten sich diese Bohlen wegen des leichten Seegangs auf und ab.  Wie die Seiltaenzer balanzierten die Pinoys auf den Bohlen rauf und runter und nur an der Seite des Motors machten sie einen Schritt mit einem Bein auf ein parallel gespanntes Seil und waren am Motor vorbei. Es war faszinierend dieser primitiven, aber wirksamen Arbeitsweise zuzusehen. Endlich war der Motor verladen und ich entlohnte die Arbeiter mit 800 Pesos fuer ihre knochenbrechende und schweisstreibende Arbeit.

Gegen vier Uhr nachmittags fuhr das Boot ab und um etwa 6.30 kamen wir in Paniog an, da das Boot vorher noch einiges in Melgar auszuladen hatte. Es war bereits dunkel geworden und da es am naechsten Tag keinen Trip nach Surigao gab, sollte der Motor erst am Morgen ausgeladen werden.

An diesem Abend war ich sehr muede und schlief recht frueh. Dementsprechend frueh wachte ich auch am naechsten Morgen auf. Als ich nach dem Kaffee trinken an den Pier wanderte, waren eine Gruppe Arbeiter schon beim Ausladen. Die gleiche Methode wie in Surigao City wurde verwendet. Aber die See war spiegelglatt und so fielen zumindest die Auf -und Abwaertsbewegungen der Bohlen weg. Nach dem Abladen wurde der Motor auch mit einem Handwagen zu unserem Haus gebracht und voruebergehend auf unserer Terasse gelagert.

Wir hatten uns entschlossen, das Boot komplett neu zu streichen, da es ja hoch auf dem Strand lag. weil man die ueblichen Arbeiten am Unterwasserrumpf gemacht hatte. Als Farben waehlten wir weiss und gruen. Der nunmehr gruene Unterwasserrumpf kontrastierte schoen mit den weissen Aufbauten. Auch die Ausleger waren gruen gestrichen worden und die Fenster, die man zuschieben konnte, zeigten die deutschen Farben wenn sie geschlossen waren.

Anschliessend wurde der der neue Motor eingebaut. Der alte war schon waehrend meines Einkaufstrips nach Cebu City entfernt worden. Aber hierfuer hatte  eine Art ueberdimensionalen Dreifuss mit Flaschenzug konstruiert, und so war diese Arbeit wesentlich einfacher. Es waren noch zwei Fahrten nach Surigao City noetig um den Propellerschaft leicht zu verkuerzen, sowie den Propeller zu vergroessern, da wir ja nun einen wesentlich staerkeren Motor eingebaut hatten. Endlich war das Boot fahrbereit und wir machten eine Probefahrt. Fuer die 5 Kilometer nach San Jose ueber die Bucht benotigten wir gerade mal gute 6 Minuten. Das Boot ging ab wie die Feuerwehr insbesondere ohne Ladung.

Zusaetzlich hatten wir ein kleines Pumpboot mit etwa 7 Meter Laenge und einem 10 PS starken Briggs & Stratton Motor bauen lassen, damit in Zukunft bei solchen Zwischenfaellen wie beim letzten Trip leicht Hilfe geholt werden konnte. Dieses Boot wurde auf das Oberdeck gezurrt und damit waren wir die erste Bangka in Surigao, die ein „Rettungsboot“ dabei hatten. Eine grosse SOS Fahne wurde genaeht und in rot beschriftet, damit Seenot fuer jedes vorbei fahrende Schiff gleich sichtbar wuerde. Der Name wurde gaendert und es standen zwei Namen zur Auswahl: MB Tegernsee oder MB Bayreuth. Wir losten und Bayreuth gewann. Somit wurde nun der Name MB Bayreuth in schoener Schrift auf beide Seiten und auch auf das Heck des Bootes gepinselt.

Wir waren geruestet fuer die naechsten Fahrten mit unserer Bangka.

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