Unsere Bangka 4. Teil

Unsere Crew schien aus lauter Strebern zu bestehen, konnten sie es doch kaum erwarten endlich wieder nach Cagayan zu fahren. Wir machten also einen kurzen Trip nach Donna Helene um nach Cargo zu schauen. Wir wollten nicht immer unser Boot fuer die eigene Fracht  verwenden, sondern lieber einen LCT laden, da ging mehr drauf und die Kosten waren pro Tonne nur halb so hoch. Aber es gab genug Chromerz von anderen zu laden, deren Kapital bei weitem nicht so weit reichte um eine „Barge“ voll zu bekommen. Vor Ort waren dann auch etliche „Chromberge“ fertig zum Transport. Diesmal luden wir das Erz von Lena und das sollte eine interessante Erfahrung werden. Ausserdem gibt es von ihr samt Goettergatten zu einer anderen Zeit mal eine andere Geschichte, die es in sich hat.

Wir luden also das Erz von Lena und diesesmal fuhr ich mit nach Cagayan, was bei der Crew etwas verborgenen Unwillen hervor rief. „Nanu“ dachte ich, „warum wollen die denn meine Gegenwart nicht haben?“ Das wuerde interessant werden, deren „Geheimnisse“ zu ergrunden, oder wollten die einfach nur den „Boss“ nicht dabei haben? Nun es wuerde sich zeigen.

Am naechsten Morgen kamen wir in Cagayan gegen 6 Uhr an und ich ging nach dem anlegen erst mal in die Carenderia gegenueber vom Stock Yard der Firma Horizon, die frueher mal Philipp Brothers hiess, um einen vernuenftigen Kaffee zu trinken – wobei man Nescafe wohl nicht als vernuenftigen Kaffee bezeichnen konnte aber verglichen mit dem „Muckefug“ den die Crew so liebte, ist es ein „Goettertrank“.

Danach beobachtete ich das Entladen des Erzes, das ja nur in leere Zementsaecke gefuellt war, die vom Boot heruntergetragen wurden und in die Schaufel eines Schaufelladers geschuettet wurden und dann eben an einem getrennten Platz vom Hof aufgeschuettet wurde, bis die Proben gezogen waren. Dann wurde alles zu grossen Halden zusammen geschoben mit der Raupe. Das Entnehmen der Proben gestaltete sich sehr interessant; der zustaendige Mitarbeiter sollte eigentlich aus jeder Schaufel eine Probe ziehen, die dann gut durchgemischt werden und auf einer Flaeche von zirka einem Quadratmeter ausgebreitet wurde. Dieser Quadratmeter wurde in 16  „Kaestchen“ geteilt, und aus jedem „Kaestchen“ sollte dann  je eine kleine Probe entnommen werden, die dann zusammen den durchschnittlichen Chromgehalt bei der Analyse ergeben wuerden. Zumindest war es bei uns so gemacht worden. Aber Lena schien einen Sonderstatus zu haben, denn bei ihr wurde das anders gemacht. Der Mitarbeiter holte einfach einige Proben von einer anderen Halde mit wesentlich hoeherem Chromgehalt, lies es durch den „Crusher“ laufen und verpackte das als Probe. „Oha, was laeuft denn da ab?“ fragte ich mich und beschloss der Sache auf den Grund zu gehen. Aber dazu spaeter.

Nach dem Entladen des Erzes wurden dann von der Tankstelle 600 Liter Diesel bestellt, die genug fuer eine Rundfahrt nach Dinagat waren. Anschliessend ruhte sich die Crew aus um sich dann gegen 19 Uhr „landfein“ zu machen und einige Girlie Bars zu besuchen. Raffi nahm mich auf die Seite und bat mich nichts zu erzaehlen in Paniog, das gehoere nun mal zum Seemannsleben und ich solle doch mitkommen. Das lehnte ich dankend ab und fragte ihn, ob er mal auf die Bar verzichten koenne und mir helfen wuerde das Geheimnis von Lenas Sonderstatus zu ergruenden. Er stimmte zu und wir fuhren mit einer Motorela zur Pension in der Lena uebernachtete. Dort unterhielten wir uns mit den Roomboys und die bestaetigten uns, dass Lena bei jeder Uebernachtung auch regelmaessig Besuch bekam. Es war immer der gleiche „Gentleman“ der da aufkreuzte und der erschien immer gegen 9 Uhr abends. Wir setzten uns in das kleine Restaurant von dem man eine gute Uebersicht ueber die Treppe hatte, die zu den Stockwerken (es waren nur zwei) mit den Zimmern fuehrte. Und siehe da puenktlich um 9 Uhr erschien der Mitarbeiter von Horizon und begab sich auf das Zimmer von Lena. Dort blieb er im allgemeinen fuer etwa 2 Stunden um anschliessend zu Weib und Kindern zurueckzukehren. Na dass auf dem Zimmer nicht gebetet wurde, duerfte jedem klar sein und nun war auch klar, warum sie immer besonders hochwertiges Erz hatte. Solche „Naturalien“ konnte ich natuerlich nicht anbieten und das ganze auf eine „Bestechungsebene“  stellen wollte ich sowiesso nicht. Allerdings konnte deses Wissen durchaus spaeter mal Vorteile liefern, wer weiss.

Am naechsten Morgen fuhren wir dann zurueck nach Dinagat. Dort ging es weiter mit laden,  nur fuhr ich die naechsten paar male nicht mit. Das Geschaeft mit dem Boot lief gut weiter und gegen Mitte des Jahres bekam ich einen Brief vom Barangay Captain von Agusan in Cagayan de Oro, der ueber die Bangka angeliefert wurde. Den hatte ich bei einem meiner Trips kennengelernt und der meinte, dass Pepsi verzweifelt nach Transportmoeglichkeiten ihrer Produkte fuer Dipolog suchen, denn beim Trucking hatten sie eine Bruchrate in der Gegend von 25% und das war zu hoch. Klar die Strassen nach Dipolog waren damals noch Piste und schlechte Piste dazu. Ich fuhr dann also bei der naechsten Erzlieferung mit nach Cagayan um mit dem guten Mann zu sprechen. Gemeinsam gingen wir zu Pepsi um mit den zustaendigen Leuten zu verhandeln. Sie boten 18 Pesos pro Kiste und wir stimmten zu eine Testfahrt zu machen.

Nach der naechsten Erzlieferung sollten wir also Pepsi laden und so geschah es dann auch. Wir waren am Pier in Agusan und ein Trailer Truck wartete darauf in unserem Boot zu verschwinden. Wir luden die 16 Paletten und hatten immer noch Platz und ein zweiter Trailer kam um auch in unser Boot geladen zu werden. Ingesamt brachten wir 28 Paletten (1756 Kisten) unter und das Boot war damit voll bis zum Limit.

Wir waren neugierig, wie wir finanziel aus der Sache ‚rauskaemen, denn die 18 Pesos pro Kiste waren einschliesslich be -und entladen.

Fortsetzung folgt

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