Unsere Bangka 5. Teil

Wir legten vom Agusan Pier ab und machten uns auf die Reise. Am Anfang innerhalb der Macajalar Bay war die See noch sehr ruhig und wir konnten recht zuegig fahren. Als wir dann an Iligan vorbei waren begegneten wir den ersten grossen Wellen und es wurde etwas stuermisch. Aber die Bayreuth zog stetig ihren Kurs auch wenn sie dabei manchmal sehr heftig rollte und stampfte. Wir passierten den Ausgang der Pangui Bay und mittlerweile war es dunkel geworden. Trotz des hohen Seeganges sahen wir die Lichter zahlreicher Fischerboote, die ihr Glueck versuchten. Ploetzlich zog das Boot abrupt nach rechts. „Was war das denn?“ rief ich. „Wir haben uns mit einem Ausleger in einem Netz verhaengt“ schrie unser Captain Pedong. Das Boot stoppte und lief langsam rueckwaerts. Trotz des stuermischen Wetters balanzierte Inting auf dem Ausleger nach vorne um uns von dem Netz zu befreien. Endlich hatte er es geloest und als er zurueck wollte fiel er auch prompt ins Wasser. Wie er ueberhaupt auf dem Ausleger ‚runter balanzieren konnte war mir ein Raetsel. Dass er letzten Endes doch nass wurde wunderte mich nicht. Schnell hatte die Crew einen Rettungsring fuer Inting ausgeworfen und drei Minuten nach dem „Platsch“ war Inting wieder im Boot.

Die Fahrt ging vorerst in aller Ruhe weiter. Gegen zwei morgens passierten wir bei Dakak ein vorgelagertes Kap und die See wurde auf einen Schlag sehr ruhig. Wir waren im Windschatten vom Suedwestmonsun angekommen. Zuegig ging die Fahrt nun weiter Richtung Dipolog. Wir sahen die Lichter der Stadt, aber konnten keinen Hafen entdecken. Wir entdeckten dann groessere Lampen auf unserer linken Seite und hielten darauf zu. Als wir noch etwa 300 Meter entfernt waren fielen auf einmal Schuesse und wir sahen zahlreiche Menschen zum Ufer laufen. Mehr Schuesse fielen und Pedong wollte umdrehen und fliehen. „Nix da“ rief „ich ich werde das Boot beleuchten “ und schnappte mir die grosse Suchlampe. Ich richtete den Kegel der Lampe auf die zahlreichen Pepsi Kisten auf dem Oberdeck und schrie: „Cargo for Pepsi! We are looking for the Port.“ Das Schiessen hoerte auf und wir wurden naeher heran gewunken. Schliesslich wurde das Wasser zu seicht und wir konnten nicht mehr weiter. Am Ufer bestiegen zwei Maenner ein kleines Pumpboot und fuhren zu uns ‚raus. Sie erklaerten uns, dass der Pier von Dipolog 1984 von Taifun Nitang zerstoert worden war, und wir unsere Cargo wohl in Dapitan ausladen muessten. Wir bedankten uns und gaben den beiden Soldaten – wir hatten naemlich versucht im Hauptquartier des Militaers anzulegen – zwei Kisten Pepsi mit auf den Weg, die diese dankend annahmen.

Wir entschlossen uns in der Bucht vor Dipolog zu ankern und morgen frueh bei erstem Licht nach Dapitan zurueckzufahren. Als der Morgen graute machten wir uns auf den Rueckweg und legten eine knappe Stunde spaeter im Hafen von Dapitan City an. Nach einer Tasse Kaffee in einer der zahlreichen Carenderias am Hafen fuhren Insong und ich mit einem Tricycle nch Dipolog, das ja nur 12 Kilometer von Dapitan entfernt ist und im Warehouse von Pepsi informierten wir die Leute ueber die Ankunft der Ladung und erklaerten, wir koennten mangels Hafen nicht in Dipolog ausladen. „Kein Problem“ meinte der Manager, „wir schicken einen unserer Trucks nach Dapitan um die Cargo zu ueberfuehren.“

Wir fuhren zurueck nach Dapitan um auf den Pepsi Truck zu warten, der dann schliesslich gegen 10 Uhr eintrudelte. Es war ein kleines Auslieferungsfahrzeug, das nur 6 Paletten laden konnte. Also luden wir den ersten Teil und mussten dann warten bis der Truck wieder zurueck kam.  So ging das also 5 mal und am Ende bekam ich die Quittung mit der Bestaetigung, dass wir nur 0.7% Bruch -und Fehlware hatten. (Erlaubt waren 1,5%) Das Boot fuhr am naechsten Morgen ohne mich nach Cagayan, denn Insong und ich hatten uns entschlossen den Bus zu nehmen. Dabei stellten wir fest, dass die Strasse von Rizal bis nach Oroquieta wirklich in einem katastrophalen Zustand war.

In Cagayan angekommen machten wir zuerst mal eine Abrechnung mit Rechnungsstellung fuer Pepsi und stellten dabei fest, dass das Nettoeinkommen vor dem Teilen mit der Crew bei 18000 Pesos war, was jegliches Chrom verladen in den Schatten stellte. Noch am gleichen Nachmittag verhandelten wir mit Pepsi ueber einen „Dauerjob“. Pepsi bestand auf 6 Monaten, denn wenn die Strasse fertig waere, wuerden sie wieder mit den Trucks fahren. Wir unterschrieben einen Vertrag ueber 6 Monate und am folgenden Tag machte das Boot bereits den naechsten Trip. Achtmal sollte jeden Monat gefahren werden.

Ich machte mich danach wieder auf den Rueckweg nach Dinagat und Raffi und Insong sorgten dafuer, dass der „Laden“ mit Pepsi lief. Einmal im Monat trafen wir uns in Surigao City und ich bekam das Geld, wobei Raffi die Abrechnung mit der Crew machte. Pro Monat waren das fuer uns etwa 70k an Nettoeinkommen, was fuer die damalige Zeit sehr gutes Geld war.

Aber es kam wie es kommen musste. Im September 1988 brachte mir Raffi ein Schreiben nach Surigao mit, in dem Pepsi mir mitteilte, dass sie etwas mit mir besprechen wollten. Ich fuhr also nach Cagayan und traf mich wenige Tage nachdem ich den Brief erhalten hatte mit dem Management von Pepsi. Dort wurde mir mitgeteilt, dass andere philippinische Bangka Eigentuemer  niedrigere Angebote unterbreitet haben und ich meine Preise senken muesste. Sie wollten nur noch 12 Pesos pro Kiste bezahlen. Ich lehnte ab und das war das Ende von unserem „Pepsi Geschaeft“.

Halt!

Es gab noch einen Nachschlag. Einen Monat spaeter erhielt ich ein Telegramm von Pepsi, sie muessten dringend mit mir sprechen. Ich fuhr also nach Cagayan um mir anzuhoeren, was sie zu sagen hatten. Dort stellte sich heraus, dass sie wollten, dass wir weiter machen sollen, denn, die anderen hatten viel zu viel Bruch und waren sehr unzuverlaessig,. Zudem konnten sie gerade mal die halbe Menge von unserer laden. Sie wollten den Preis auf 15 Pesos pro Kiste erhoehen. Ich lehnte dankend ab und machte ihnen klar, dass ich ja nun schon die Erfahrung gemacht habe, dass Vertraege mit Pepsi mit Vorsicht zu geniessen seien. Sprach’s, drehte mich um und liess einige verblueffte Manager und Mitarbeiter hinter mir.

Fortsetzung folgt

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1 Comment
  • cris45
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    hi kai,
    eine absolute Sonntags Lekture,ein richtiges Vergnügen und diene Schreibweise als würdest du mir direkt gegenüber erzählen.
    Danke und Gruss

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