Unsere Bangka 6. Teil

In der Zwischenzeit hatten wir regelmaessig Chromerz von Dinagat nach Cagayan geschafft und nicht nur von Donna Helene, sondern auch von vielen anderen Orten, an denen Chromit abgebaut wurde. Gelegentlich brachten wir auch mal Holz nach Cebu, aber nur wenn der Shipper alle Papiere hatte. Leider wurde damals viel illegal abgeholzt, aber das ist nun seit etwa 10 Jahren vorbei und die Waelder im Norden von Dinagat in der Gegend um den Mount Redondo stehen noch und ich hoffe das wird so bleiben.

Im spaeten Oktober sollten wir fuer einen Bekannten Holz in Boa laden und fuhren dazu auf die Pazifik Seite der Insel. Um diese Jahreszeit blies der Amihan (Nordostmonsun) schon kraeftig und die Wellenbildung war recht hoch, aber das war fuer die Bayreuth kein groesseres Problem. Mittlerweile hatten wir auch Funk an Bord und wir hoerten in den Nachrichten, dass ein Taifun im Anzug war. Iim allgemeinen ziehen die spaeten Taifune suedlicher und Dinagat war dann regelmaessig betroffen. Wir verstaendigten die Bayreuth ueber Funk und hoerten, dass das Boot Boa verlassen hatte und auf dem Weg ins Gaas Inlet sei um sich dort vor dem Taifun zu verstecken. Das Gaas Inlet ist ein tiefer fjordaehnlicher Meeresarm und gilt als der perfekte Taifunhafen auf Dinagat.  Das Gaas Inlet liegt ungefaehr auf halber Hoehe der Insel an der Ostkueste Richtung Norden.

Einige Stunden spaeter, der Taifun war noch etwa 6-8 Stunden entfernt riefen wir die Bayreuth ueber Funk und bekamen keine Antwort. Nun das Gaas Inlet ist von hohen Bergen umgeben und da gab es oefter mal Funkloecher und so machten wir uns keine groesseren Sorgen. Der Taifun kam und tobte ueber der Insel in einer mir bis dahin unbekannten Staerke. Alle Haeuser am Ufer von San Jose wurden zerstoert und um das Mass voll zu machen folgte kurz auf  Unsang der Taifun Yoning. Es war unmoeglich mit der Bayreuth Kontakt aufzunehmen und so blieb nichts anderes als warten. Zudem wurde ich krank: Mittleres Fieber mit Erbrechen und wir dachten eigentlich an eine Magenverstimmung oder so etwas. Aber das ist eine andere Geschichte, die ich ein anderes mal erzaehlen werde.

Aber wie immer und ueberall folgte auf Sturm auch wieder Sonne und am Abend des ersten sonnigen Tages kam die Crew zu uns ins Haus. Wir dachten natuerlich sie seien mit der Bangka da, aber wir hoerten von Ihnen, dass die Bayreuth gesunken sei. Als sie auf dem Weg ins Gaas Inlet waren, brach das Ruder und das Boot war manoevrierunfaehig. Und so kehrten sie mit Muehe nach Boa zurueck und verankerten das Boot in der Bucht vor Boa. Zwei Anker wurden tief in den Felsen im Meer verankert – die Crew tauchte sogar um sicherzustellen, dass die Anker richtig sassen – und zwei lange Seile wurden dann an Uferfelsen verschnuert so dass die Bayreuth wie eine Spinne im Netz in der Mitte der Bucht lag mit genug Spielraum in den Seilen um den Taifun „auszureiten“.  Die Wassertiefe unter dem Boot betrug mehr als 20 Meter. Alles war dicht gemacht worden und die Crew hoffte, dass die Bayreuth ueberleben wuerde. Unser Shipper und die Mannschaft hatten sich eine notuerftige Unterkunft in Ufernaehe gebaut. Unsang erreichte Windgeschindigkeiten bis zu 240 km/h und fegte ueber die Insel. Am Anfang klappte der Plan der Crew wunderbar und das Boot ritt die 10m bis 15 Meter hohen Wellen hervorragend aus. Als die Westseite des Taifuns ueber Boa hinweg gezogen war, wechselte die Windrichtung und nun bildeten sich zum Teil riesige Kreuz -und Sturzseen, die beim Ruecklauf den Boden der Bucht freilegten. Die Bayreuth wurde nun wiederholt beim Rueckfluss auf die Felsen unter dem Boot geschmettert bis die Kasko zerbrach. Das war das Ende unserer Bangka.

Kaum war der Unsang durch und der Wellengang nornalisierte sich kamen die Leichenfledderer. Zahlreiche Barutos wurden in die Bucht gepaddelt und die Pinoys versuchten zu alles klauen, was nicht niet -und nagelfest war. Unser Rettungsboot lebte noch und so ging die Crew dazwischen. Es gab eine Riesenstreiterei, einem der Pinoys war es gelungen einen der Anker zu klauen und er versuchte damit abzuhauen. Die Crew fuhr hinterher und nachdem sie den Dieb ins Wasser geworfen hatten, bekamen sie den Anker zurueck. Der Dieb konnte nicht schwimmen und ertrank. Mittlerweile pruegelten sich die zurueck gebliebenen Crew Members mit den Dieben am Ufer.  Die wollten nicht einsehen, dass sie nichts aus dem Wasser holen duerften. Mit Hilfe einiger Bolos gelang es der Mannschaft die Diebe zu vertreiben. Vier Mann blieben mit dem „Rettungsboot“ als Wache zurueck und der Rest machte sich auf den Fussmarsch nach San Jose. Waehrend sich nun Yoning austobte, stellte sich die Crew unterwegs in Barangay Sombrado unter.

Am Tag nach der Ankunft in San Jose zog die Crew mit dem Boot eines Freundes los, um von der Bayreuth zu bergen was man eben bergen konnte. Als sie in Boa ankamen wurden sie sofort zum Barangay Captain vorgeladen. Sie waren von den vertriebenen Dieben des Mordes und des versuchten Mordes angeschuldigt worden. Aber nachdem sie ihre Geschichte erzaehlt hatten, unternahm der Captain nichts weiter und meinte es sei ihr gutes Recht sich gegen Diebe zuverteidigen. Danach begannen die Bergungsarbeiten. Die Anker, die Maschine, die Schraubenwelle, die Schiffsschraube und viele anderen Teile aus Metall konnten geborgen werden. Aber die Holzteile des Bootes,  soweit sie noch verhanden waren, konnten nur noch als Feuerholz dienen.

Einige Tage spaeter kehrten sie mit den traurigen Ueberresten nach San Jose zurueck.

The End

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3 Comments
  • Speedy
    Reply

    Wirklich schade um die Bangka … und wieder mal ein Beispiel, wie schnell auf den Philippinen Sachen jemand Anderem gehören, der die dann gar noch mit seinem Leben verteidigt … :(

  • Reply

    Schade um eure Bangka. Hast du vielleicht ein paar Fotos?
    Gruss, waebi

    • Kai
      Reply

      Leider habe ich kein Foto mehr, da Taifun Ruping meine ganzen Alben im Oktober 1990 vernichtet hat. Die paar alten Bilder, die aus jener Zeit noch existieren hat meine Frau bei der Verwandtschaft eingesammelt.

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