Von einem der auszog um Expat zu werden… 3.Teil

Gegen halb sieben kam Walter wieder zurueck und nach einem kurzen Hallo begann er zu erzaehlen: „Als ich ins Fagioli kam und mich hinten in den Garten setzte wegen der Raucherei, bekam ich kurz darauf eine SMS mit der Frage, wo ich denn sei. Ich antwortete, dass ich im Garten sitze und zwei Minuten spaeter kam ein Maedel und steuerte auf meinen Tisch zu. Hallo Walter, sagte sie und setzte sich. Ich schluckte erst mal und dachte mir, das ist aber ganz jemand anderes. Na ja, ich sagte erst mal nichts und wartete ab, welches Spiel hier gespielt werden soll. Nach der kurzen Begruessung meinte sie, wie schoen es doch waere, dass man sich endlich persoenlich kennenlernen wuerde. Scheisspiel, dachte ich mir, denkt sie denn, dass ich als Kind zu heiss gebadet worden war und das nicht merke. Ich liess sie erzaehlen, beantwortete ihre Fragen und spielte mit. Gegen sechs Uhr meinte sie, dass sie nun gehen muesse, weil die Eltern es nicht gerne sehen wuerden, wenn sie spaet unterwegs sei. Wir verabredeten uns fuer den naechsten Tag und ich war eigentlich schon gespannt, wie das Spiel weitergehen sollte.“

Ich meinte: „Walter, der hat eine Cousine oder sowas geschickt, nach dem Motto, dass wir den vielleicht weiter melken koennen.“ „Ja“ sagte Walter „das dachte ich mir auch. Ich werde mich noch ein oder zweimal mit ihr treffen und dann aber Aufklaerung verlangen. Das ist schon eine Frechheit.“ Wir diskutierten alle noch eine Weile darueber, aber wir kamen einstimmig zu dem Schluss, dass hier ein weiterer Abzockversuch gestartet werden soll.

Am naechsten Tag ging Walter also wieder aus um sich mit ihr zu treffen und es gab das gleiche Spiel. Kein Wort, dass sie eigentlich als „Ersatz fuer Maria“ gekommen war.  Also schrieb Walter am Abend eine SMS und fragte, was das denn fuer ein Scheisspiel sei, das hier getrieben wird. Die Antwort war Entruestung und Unverstaendnis. Schliesslich sei sie ja sehr an Walter interessiert und wuesste ueberhaupt nicht was er mit Spiel meinte.  Walter entschloss sich sie dann morgen zur Rede zu stellen.  Aber dazu kam es nicht mehr.

Als die beiden sich dann am naechsten Tag trafen, platzte „Maria“ heraus, dass sie eigentlich gar nicht Maria waere. Walter antwortete gelassen, dass ihm das im ersten Moment schon klar war, schliesslich haette er Mario oft genug mit der Webcam gesehen. Nun war sie aber ueberrascht, dass Walter wusste, dass Mario/Maria ein Ladyboy sei.  Alice, so hiess die „Ersatzmaria“ entschuldigte sich wortreich, dass sie sich von ihrem Cousin ueberreden lassen hatte diese dumme Spiel mitzumachen. Man trennte sich und Walter kam nach Hause. Dort fragten wir ihn natuerlich was er nun vor haette. Er meinte, er wuerde dem Mario jetzt erst mal eine wuetende SMS schicken um sein Geld zurueckzufordern. Ich machte ihm klar, dass er davon wohl keinen Cent wiedersehen wuerde und eine Klage wohl auch nicht erfolgversprechend waere. Die SMS ging raus und die Antwort kam prompt. Mario schrieb, dass er fuer die Dummheit von Walter wohl nicht verantwortlich gemacht werden kann. Walter antwortete, die Tatsache, dass Mario sich als Frau ausgegeben haette, kann durchaus als Betrug angesehen werden und er werde klagen. „Ja klag doch du Arsch“  kam es hoehnisch in der naechsten SMS zurueck. „Walter hoer auf damit, du erreichst ueberhaupt nichts“ unterbrach ich ihn beim Antwort texten, „am besten du gehst morgen zur Polizei in Alabel um das ganze aufnehmen zu lassen. Das ist keine Anzeige wie in Deutschland, aber es ist zumindest aktenkundig gemacht worden, falls du spaeter doch was unternehmen willst und moeglicherweise bekommt Mario Schiss und zahlt vielleicht doch was zurueck.“

Damit war das Thema zumindest vorlaeufig erledigt und am naechsten Tag fuhr ich mit Walter nach Alabel um die Sache bei der Polizei eintragen zu lassen. Wie erwartet grinsten sich die Polizisten eins, aber nahmen die Sache auf und der eine Polizist informierte Mario, dass eine „Anzeige“ gegen ihn eingegangen sei. Am Abend kam dann eine SMS mit dem Angebot von Mario, das erschwindelte Geld in Raten zurueckzuzahlen. „Na prima“ meinte Walter aber ich zog ihm den Zahn und erklaerte, dass Filipinos  schnell etwas versprechen wuerden, wobei man es mit dem Halten des Versprochenen nicht sehr ernst nehmen wuerde.

Dann fragte Walter, ob wir ihn nicht jemanden vorstellen koennten, damit er wenigstens etwas Begleitung in seinem Urlaub haben wuerde. Meine Frau dachte ein Weilchen nach und ihr fiel eine entfernte Cousine ein, die in Butuan als Maid arbeitete.  Also ging eine SMS  ‚raus und die beiden texteten eine Weile. Dann meinte meine Frau, dass Helen – so hiess die Cousine – fuer ein paar Tage kommen koennte. Allerdings muessten wir ihr das Fahrgeld schicken, denn wie ueblich hatte die Cousine  kein Geld in der Tasche.

Am naechsten Tag schickte ihr Walter das Fahrgeld und am folgenden Tag kam Helen in GenSan an. Die beiden lernten sich kennen und mochten sich scheinbar. Wir liessen die zwei meist alleine und sie erforschten auf eigene Faust GenSan und die naechste Umgebung. Wir machten auch einen Ausflug zum Lake Sebu fuer zwei Tage, verbrachten einen Tag am Gumasa Beach und die beiden fuhren auch oefter alleine zum London Beach (das Resort dort ist mittlerweile geschlossen) um zu schwimmen. So gingen die Tage doch recht schnell vorbei, bis eine SMS aus Butuan ihre Rueckkehr forderte. Schliesslich hatte Helen einen Job dort und dem Boss dauerte die Abwesenheit seiner Helferin schon entschieden zu lange. Also hiess es Abschied nehmen als meine Frau ein Angebot machte: „Helen du kannst auch bei uns arbeiten, wenn du willst. Dann kannst du zumindest bis zum Ende von Walters Urlaub mit ihm zusammen sein.“ Das schien Helen nicht so sehr zu schmecken und es stellte sich schnell heraus, dass sie 13000 Peso „cash advance“ bei ihrem Boss hatte. Walter bot an das ihr zu zahlen, aber er hatte nun auch nicht soviel Bargeld dabei, dass es am Ende auf uns zurueck fiel. Aber Walter bezahlte uns spaeter von Deutschland aus.  So fuhren die beiden gemeinsam nach Butuan um Helen von ihrer Arbeitsstelle loszueisen und dann wollten die beiden noch nach Dinagat in das Dorf von dem Helen stammte.

Wir waren gespannt, wie Walter das Leben in einem einfachen Dorf wie Paniog aufnehmen wuerde, denn das kannte er noch nicht.

Fortsetzung folgt….

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3 Comments
  • Speedy
    Reply

    Na ja, bisher (!) noch kein Grund, über „Walter“ herzuziehen (bis auf die Naivität) …

  • pferdefluesterer
    Reply

    Hallo,
    wie bereits im Portal geschrieben, „nette“ Geschichte, doch sorry, Walter muß entweder doch zu heiß gebadet worden oder entmündigt sein.
    mfg
    pferdefluesterer

    • Kai
      Reply

      Hallo Pferdefluesterer,
      Na ja das kann man sehen wie man will. Entmuendigt ist er sicherlich nicht, aber ob er alle Tassen im Schrank hat, daran kann man manchmal zweifeln. Es wird noch etliches passieren, bevor er endgueltig nach Hause kommt. Und er bekleckert sich dabei nicht mit Ruhm.
      Gruss
      Kai

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