Von einem der auszog um Expat zu werden… 4.Teil

Nach acht Tagen kamen Walter und Helen zurueck nach GenSan und erzaehlten. Walter fand das einfache Leben in diesem Fischerdorf einfach nur klasse und alle waren so lieb und nett und freundlich zu ihm gewesen.  (Das hab ich doch schon mal gehoert) Ich selbst hatte lange genug auf dem Land gelebt (in Surigao und Bukidnon)  und habe jetzt eigentlich schon ganz gerne etwas Stadt um mich herum.  Manila muss nicht sein, aber eine mittelgrosse Stadt wie GenSan passt da gerade.

Am Abend erzaehlten die beiden, dass sie heiraten wollten. Ach du meine Guete, heiraten! Kennen sich gerade mal gute zwei Wochen und wollen heiraten. Mein Gott Walter, ihr habt sie doch nicht alle beisammen!   Ich versuchte den beiden zu erklaeren, dass man ja nicht unbedingt heiraten muesse und auch ohne Trauschein zusammenleben koennte. Aber sie wollten eben heiraten. Und dann kam der naechste Hammer: Walter wollte unbedingt auf den Philippinen leben. Er wollte Expat werden und sich in GenSan niederlassen. Na wenigstens nicht in der Naehe der Familie.Ich fragte Walter wie er sich das vorstellte und was er denn machen wollte um Geld zu verdienen, und er meinte nur, na da wird sich was finden. Ich konnte eigentlich nur noch den Kopf schuetteln, aber da er ja jetzt fuer ein Jahr nach Deutschland zurueck ginge, wuerde er sich vielleicht alles nochmal ueberlegen und beschloss das Thema vorerst auf sich beruhen zu lassen.

Die restlichen zehn Tage von Walters Urlaub vergingen wie im Flug und der Tag seines Rueckfluges kam immer naeher. Schlieslich war es soweit und wir fuhren morgens los nach Davao um ihn zum Flughafen zu bringen. Sein Flug ging am fruehen Abend und wir bummelten noch ein wenig in der Stadt und assen Pizza im Picobello. Drei Stunden vor Abflug brachten wir ihn zum Flughafen und nach einer langen Verabschiedung und schier endlosen Knutscherei der beiden, konnten wir auch Tschuess sagen und Walter verschwand mit seinem Gepaeck im Abfertigungsgebaeude.

Wir fuhren zurueck nach GenSan und Helen war auf der gesamten Rueckfahrt sehr schweigsam.

Nach zwei Tagen meldete sich Walter im Chat bei mir um zu sagen, dass er gut angekommen waere. Zwei Wochen spaeter teilte Helen uns mit, dass sie aufhoeren wuerde zu arbeiten und nach Paniog fahren wollte um dort auf die Rueckkehr Walters zu warten. Er wolle es so, was sich aber hinterher als Luege herausstellte. Aber wir wollen ja der Geschichte nicht vorgreifen. Wir liessen sie ziehen und suchten uns eine andere Helferin, die uebrigens heute noch bei uns ist.

Die Wochen und Monate vergingen. Walter und ich chatteten im Internet einmal die Woche oder so, aber mit Helen war die Kommunikation schwieriger, da sie auf dem Land lebte, mit Computern nicht umgehen konnte und selbst wenn, es bei ihnen im Dorf keine Moeglichkeit gibt, eine Verbindung zum Netz zu bekommen. Da blieb nur das Handy mit SMS als einziges Kommunikationsmittel.

Anfang Maerz 2008 machten wir uns auf unsere geplante Rundreise durch das ganze Land. Da ich mobiles Internet hatte, standen Walter und ich in Verbindung.  Im Mai teilte er mir mit, dass er eine Balikbayan Box mit Computerteilen an meine Addresse geschickt habe, da er hier etwas mit Computern machen wolle. Ende Juni schrieb er mir, dass er am 6. August in Manila ankommen wuerde. „Guter Gott Walter, da sind wir ja noch gar nicht zuhause und abkuerzen werden wir den Urlaub deinetwegen bestimmt nicht.“ Das machte ihm aber nichts aus, er wuerde eben warten, bis wir um den 20. August herum ankommen wuerden.  Am 19. kamen wir dann zu Hause an und da waren die beiden. Naja ganz so hatte ich mir die Rueckkehr eigentlich nicht vorgestellt.

Wir gewohnten uns leider nur allzuschnell an das Alltagsleben und Walter erzaehlte, er habe alle Papiere zum heiraten bereits dabei einschliesslich des Ehefaehigkeitszeugnisses. Alles war  in die Wege geleitet worden und sogar an einem Seminar haetten sie teilgenommen, bei dem man Helen gar schauderliche Dinge ueber uns „Foreigners“ erzaehlt haette und sich sogar nach sexuellen Gewohnheiten erkundigte.  Ich versuchte Walter ins Gewissen zu reden und die Hochzeit zurueckzustellen, aber er meinte, dass er jetzt alle Papiere habe und geheiratet werden wuerde. Punkt!

Am gleiche Abend fragte ich ihn, wieviel Geld er ueberhaupt mitgebracht habe und da haette mich wirklich fast der Schlag getroffen. 800 Euro!!! Ich war sprachlos. „Naja das war schon mehr“ verteidigte er sich, „aber die Vorbereitungen fuer die Hochzeit und das Brautkleid und und und….. Und ich will ja die Computerteile verkaufen das bring auch nochmal 4000 Euro.“  „Wers glaubt“ entgegegnete ich. Naja er hatte ja immerhin seine stolze Rente in Hoehe von 350 Euro, also verhungern wuerde er nicht.  Das war auch so ein Trugschluss!

Ende September kam der grosse Tag der beiden und nachdem wir uns alle schoen heraus geputzt hatten,  ging es zum Gericht, wo der Richter auf uns warten sollte. Aber bedauerlicherweise wurde weder meine Frau noch die Braut ins Gerichtsgebaeude gelassen, da kurzaermelige Bekleidung nicht zulaessig war.  Wir riefen also daheim an, damit jemand zwei Jacken fuer die Damen vorbei bringen konnte. Schliesslich waren wir im Gerichtsgebaeude, aber der Richter war noch nicht da. Der musste naemlich ein Ticket kaufen um am kommenden Montag nach Manila zu fliegen, da er dort an einem Seminar teilnehmen sollte. Was fuer ein Zeitpunk zum Ticket kaufen!  Haette ja auch die Sekretaerin schicken koennen. Also warteten wir mehr oder weniger geduldig auf den „Herrn Richter“! Mit 45 Minuten Verspaetung kam der Richter endlich an und die Zeremonie konnte beginnen. Der Richter hielt eine Ansprache an die Paare – neben Walter und Helen waren da noch vier andere Heiratswuetige  – und als er loslegte, sprach er von Gesetzen und den Filipinos, den OFWs, die in Kaelte und Hitze fuer ihr Land arbeiteten und von den Strassenkindern  und sprach und suelzte und sprach und droehnte und redete usw – ad infinitum – 5 Minuten, 30 Minuten 1 Stunde, und nirgendwo war ein Schalter um ihn auszuschalten. Der eine Braeutigam begann leise zu schnarchen – alle grinsten – eine andere Braut konnte nur mit Muehe die Augen offen halten und endlich nach 72! Minuten war er fertig und begann die Zeremonie zu erklaeren. Zehn Minuten spaeter war alles vorbei und ob die beiden den groessten Fehler ihres Lebens gemacht hatten wuerde die Zukunft zeigen.

Der Caterer hatte das bestellte Essen wie ausgemacht um vier Uhr gebracht, aber wir kamen erst gegen sechs Uhr nach Hause und so war alles kalt geworden.

Fuer Helen und Walter, den neugebackenen Expat, hatte nun das „Abenteuer Ehe“ begonnen, und was fuer ein Abenteuer es werden sollte.

Fortsetzung folgt….

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