Wahlen auf den Philippinen

Bald ist es wieder so weit, es wird gewaehlt. Aber Wahlen auf den Philippinen sind etwas besonderes, die sich mit Wahlen, wie wir sie gewohnt sind ueberhaupt nicht vergleichen lassen.

Das Wichtigste zuerst: Jeder Wahlsieger muss die Wahl zweimal gewinnen. Denn die Abstimmung zu gewinnen, heisst nicht die Wahl zu gewinnen. Schliesslich muss man in der Auszaehlung auch noch siegreich sein. Und das ist oft schwieriger als die Wahl selbst, denn dort wird von Barangay Ebene bis hoch zu den Provincial Certificate of Canvass gemogelt auf „Teufel komm raus“.

Hier mal ein Beispiel: Bei den Wahlen 1992 lebte ich ja in Bukidnon. Im Barangay Cawayan war mein Schwager Aufpasser wegen der Stimmenauszaehlung und als er nach der Auszaehlung nach Hause kam, erzaehlte er uns wie die Lage war. Es gab eine klare Fuehrung fuer Myriam Santiago Defensor vor Fidel Ramos. Dritter war Imelda Marcos mit immerhin noch 102 Stimmen. Einige Tage spaeter zeigte mir der Barangay Captain, der ja damals noch mein Freund war, das Certificate of Canvass und siehe da, wie hatte sich doch alles  veraendert. Ramos hatte nun 75% aller Stimmen, fuer Myriam blieben noch knappe 50 Stimmen und Imelda ging leer aus. Welch ein Wunder! Aber nun heisst das ja nicht, dass auf Municipalebene das Resultat so stehen bleiben muss. Da kann auf einmal jemand ganz anderes vorne liegen und auf Provinzebene kann es sich nochmal aendern. Schon so mancher Sieger musste am Ende feststellen, dass er verloren hatte.

Ein zweiter wichtiger Wahlbetrug ist der ueberall gaengie Stimmenkauf. So koennen zum Beispiel bis zu 2000 Pesos pro Stimme fuer einen vollstaendigen „Line up“ bezahlt werden. Als Waehler wird man vor dem Wahlokal – nennt sich hier Precinct – angesprochen und wenn man dem Verkauf zustimmt, gibt man seinen leeren Wahlzettel an den Kaeufer und bekommt einen bereits ausgefuellten Wahlzettel dafuer. Den darf man dann in die Wahlurne werfen und schon war der Demokratie Genuege getan. So hatte sich zum Beispiel Romeo Jalosjos, der wegen Vergewaltigung einer 11 jaehrigen zu zweimal lebenslaenglichem Gefaengnis verurteilt worden war, auch nach seiner Verurteilung um einen Sitz im House of Representatives beworben und gewonnen. Er konnte nie auf einer „Wahlversammlung“ auftreten und fuer seine Kampagne werben, da er ja einsass, aber der Stimmenkauf der Familie sicherte ihm den Wahlsieg und das zweimal. Erst als das Urteil vom Supreme Court fuer gueltig erklaert worden war und damit Rechtskraft erlangte, wurde er vom Kongress ausgeschlossen. So war er fuer etwa fuenf Jahre ein Politker aus dem Gefaengnis heraus, der die Interessen seiner Konstituenten nicht mehr vertreten konnte, da er ja an keiner Sitzung des Hauses teilnehmen durfte. Auch das ist Demokratie auf Philippinisch!

Die Politker und ihr Verhalten entsprechen nun ganz und gar nicht unseren Vorstellungen. Die meisten Kandidaten gehoeren einer Partei an, aber diese Partei kann in fast allen Faellen politisch nicht eingeordnet werden. Man weiss also nicht ob sie eher links, oder rechts oder gar in der Mitte steht. Fragen sie mal nach einem Parteiprogramm. Sier werden keines bekommen, weil die Parteien hier keines haben. Und sollte ein Politiker von seiner Partei nicht zum „Standard Bearer“ erkoren worden sein, dann verlaesst er eben die Partei und gruendet „schwuppdiwupp“ eine neue und bewirbt sich dann unter dem neuen Banner um den begehrten Posten. Auch ist Loyalitaet zur Partei ein unbekanntes Wort, denn man schliesst sich in vielen Faellen nach den Wahlen dem Wahlsieger an, weil man Angst hat in der Opposition nicht an die Pfruende zu kommen, und da man viel Geld ausgegeben hatte um gewaehlt zu werden, muss man nun auch diese Ausgaben wieder herein holen. Das koennte in der Opposition etwas schwieriger sein, als auf der Seite der Sieger.

Koennen sie nun philippinische Politik besser nachvollziehen? Ich nicht!

Oder schauen sie sich mal die Kandidaten an. Man sollte meinen, dass fachliche Kompetenz etwas wert ist, aber es tummeln sich alle hier, die glauben, dass sie etwas auszusagen haben. Die Saenger, Schauspieler und Sportler bewerben sich alle um ihre Poestchen, Ahnung hat aber keiner. Die zweite Gruppe besteht aus den Soehnen und Toechtern von einflussreichen Familien, deren Vaeter oder Muetter wegen der Limitierung der Terms nicht mehr antreten durften. Und die bewerben sich nun, obwohl sie keine Ahnung haben und vielleicht erst einmal in ihrer PTA (Parents Teachers Association) Erfahrung sammeln sollten. Bekanntheitsgrad heisst das Zauberwort. Damit kann man gewinnen, aber Kompetenz – ich bitte sie – wer braucht denn sowas. Eine weitere Gruppe sind die „sogenannten Trapos“ (Traditionelle Politiker), die alles so machen, wie es immer schon gemacht wurde.  Und das bedeutet in erster Linie sich die eigenen Taschen zu fuellen.

Auf den Wahlkampagnen geht es dann auch entsprechend „heiss“ her. Es wird gesungen und getanzt  und eine Riesenshow gemacht aus dem Auftritt. Das Ganze entspricht eher einem Zirkus als einer Wahlversammlung. Politische Fragen werden ueberhaupt nicht angesprochen, ein Programm hat der Kandidat nur fuer die Show, aber nicht fuer seine Politik und es wird gelogen, dass sich saemtliche Balken des Universums biegen. Die Versprechungen sind zum Teil so utopisch, dass man sie ueberhaupt nicht glauben kann. Aber jeder freut sich und macht mit, denn so eine Wahlversammlung ist ja fast so schoen wie Fiesta.

Aber die Philippiner wissen genau, was sie von den Versprechungen halten muessen, naemlich nichts. Nicht umsonst besagt ein philippinisches Sprichwort: „Promises are made to be broken.“

Jede Wahl auf den Philippinen laeuft immer nach dem gleichen Schema ab. Und so wird sich nichts aendern hier in diesem Land, bis die Menschen beim Waehlen auf den Charakter, die Integritaet und die Kompetenz der Kandidaten achten.

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1 Comment
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    Wahlbeobachter auf den Phillipinnen berichten kontinuierlich über die Vorbereitung und den Verlauf der Wahlen. Viel Spaß bei der Lektüre.
    Klaus Fritsche

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