Walter in Deutschland

Ich hatte ja die letzte Geschichte von Walter versprochen und hier ist sie.

Am 10. November 2009 war es soweit. Walter konnte nach 15 Monaten auf den Philippinen endlich nach Hause fliegen und er war sehr froh darueber, da er hier eben mit der Mentalitaet nicht zurecht gekommen war und es ihm wohl auch etwas am Willen zur Anpassung fehlte.

Am Morgen standen wir also sehr frueh auf, tranken noch einen Kaffee zusammen und dann war es auch schon soweit. Die Zeit des Abschieds war gekommen. Ich brachte Walter mit meiner Frau zum Flughafen in General Santos und nach einer langen Verabschiedung verschwand er im Flughafengebaeude mit dem Versprechen aus Manila noch mal zu texten und sich aus Deutschland sobald wie moeglich zu melden.

Tatsaechlich meldete er sich ein paar Stunden spaeter aus Manila. Er war gut angekommen und musste nun fast bis Mitternacht auf seinen Flug dort warten. Wir wuenschten ihm Glueck.

Es dauerte fast zwei Wochen bis er sich das erste Mal aus Deutschland meldete und er erzaehlte: Er war gut im Heimatland angekommen, aber sein restliches Geld reichte nicht mehr um von Frankfurt nach Hamburg zu fahren. Er rief daher seinen Bruder an, der ihn in Hannover vom Bahnhof abholte, denn bis dort hatte sein Geld noch gereicht. In Hamburg brachte ihn sein Bruder zu einem Cousin, der ein echter „Moechtegernbastler“ war und auf dem Hof seines Vaters neben einigen Wohnwagen zum Herrichten auch alte Boote und sonstiges herum liegen hatte. In einem solchen Wohnwagen durfte Walter einziehen. Nun als Uebergangsloesung duerfte das ja reichen.

Gleich am naechsten Tag meldete sich Walter bei den Behoerden um voruebergehend, bis seine Rente wieder eingerichtet war, HARTZ IV zu kassieren. Er bekam auch sofort einige Euro als Anzahlung bis sein Antrag eben durch war. Und er richtete sich in dem Wohnwagen ein so gut es eben ging. Sein Cousin lebte in einem anderen Wohnwagen und der Strom kam vom Haus des Vaters, mit dem sich der Sohn nicht so gut verstand.

Es wurde nun sehr kalt in Deutschland und ich glaube jeder Leser erinnert sich an den letzten kalten und schneereichen Winter. Der Wohnwagen des Cousins war neueren Datum und sehr gut isoliert, aber der, in dem Walter wohnte eben nicht und nicht einmal das elektrische Heizgeraet konnte da fuer echte Abhilfe sorgen. Zudem war der Stromverbrauch sehr hoch und was Walter eben nicht hatte war Geld. Und so sass er im Wohnwagen im dicken Mantel denn er musste an der Heizung sparen. Das zog sich ja einige Zeit hin und der Onkel war stinksauer wegen der hohen Stromkosten. Sicher bekam er die bezahlt, aber er wollte eben auch verdienen und setze waehrend der groessten Kaelteperiode den Preis auf einen Euro pro Kilowattstunde hoch. Zudem verlange er fuer einmal duschen im Haus 5 Euro. Fuer Walter wurde es nun ganz hart. Der Ofen lief nur noch um die Temperatur knapp ueber dem Gefrierpunkt zu halten und eines nachts hatte sich der gute Walter die tollsten Frostbeulen geholt einschliesslich zweier erfrorener Zehen die aerztlicher Behandlung bedurften.

Jeden Tag ging Walter auf Wohnungssuche und gleichzeitig trieb er sich in Geschaeften und Kaufhaeusern herum um sich aufzuwaermen. Aber immer wenn er den Wohnungsbesitzern sagte, dass er Hartz IV Empfaenger ist fiel die „Klappe“.   Einige wenige sprachen aus, was andere nur dachten, naemlich dass ihnen so ein „faules Gesindel“ nicht ins Haus kaeme.

Zwischendurch standen auch die Untersuchungen an, damit er seine Rente wieder bekaeme, die zwar auch nicht hoeher war, aber ihm wenigstens das herum lungern auf den Aemtern ersparte.

Wenn er sich bei mir melden konnte, machte er das immer von PC seines Cousins aus, aber das ging nur wenn der schlief, da er niemanden an sein „wertvolles Geraet“ ran lassen wollte. Und dann konnte er auch nicht sehr lange online sein.

Die Entbindung seiner Tochter hatte ja Geld gekostet, Geld dass sich die Mutter bei einer Cooperative im Dorf lieh. Die wollten natuerlich das Geld zurueck und so schickte er Geld an seine Frau um diese Schulden zu bezahlen. Er hatte sich das buchstaeblich vom Mund abgespart, aber natuerlich wurde das Geld fuer alles moegliche verwendet, aber nicht zum bezahlen der Schulden. Natuerlich fragte die Frau auch laufend nach Unterstuetzung fuer das Baby. Auch hier schickte er was immer er sich absparen konnte, aber das Geld wurde ebenso zweckentfremdet wie alle anderen Gelder zuvor. Als er dann kein Geld mehr schicken wollte, und stattdessen der Mutter seiner Tochter anbot in Sachwerten zu bezahlen wie Babynahrung und Kinderklamotten weigerte sie sich strickt das anzunehmen und bestand auf cash, was er natuerlich nicht schicken wollte, weil es eben nicht seiner Tochter zugute kam. Die Mutter beschwerte sich einige Male bei der Botschaft und drohte massiv, aber er beharrt verstaendlicherweise auf seinem Standpunkt.

Schoen waren die ersten Monate in Deutschland nicht.

Dann klappte es endlich auch mit einer Wohnung, aber nicht in Hamburg, sondern in Luebeck. Da hatte er ja vorher schon gelebt, insoweit, war das also kein Problem fuer ihn. Er zog also um und lebt nun wieder wie vor seinem Auswanderungsversuch in Luebeck. Seine Rente wurde wieder bewilligt und so geht es einigermassen mit dem Leben.

Seine Plaene in ein oder zwei Jahren wieder zu kommen hat er scheinbar aufgegeben. Vielleicht kommt er in zehn Jahren, vielleicht auch nicht. Vielleicht geht er aber auch woanders hin.

The End!

Und wenn Walter nicht wieder auf die Philippinen kommen sollte, auch das endgueltige Ende.

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4 Comments
  • Torsten
    Reply

    Hi,
    hm, also ich denke mal diese Mutter bräuchte eine fundierte Beratung, vor allem eine die ihr auch ihre rechtlichen Möglichkeiten und ihre Verantwortung für das Kind vor Augen führt, und nicht zuletzt auch ihre Chancen.
    Mal ein paar Punkte die Du sicher selbst kennst:
    – „herkommen um sich scheiden zu lassen“ wird nicht klappen, denn die Ehescheidung würde nach den Phil verwiesen (Ort der Eheführung),
    -Walter wird zusehens weniger für seine Tochter schicken(können), vor allem aber nicht schicken wollen, je mehr ihm bewußt wird, daß das Geld nicht ankommt.
    Für mich logisch, daß sie Angebote (nur) die Tochter nach D zu holen ablehnt, auch für mich gehören Mutter und Tochter zusammen, was in diesem Feministenland hier auch kaum ein Richter anders sieht; logisch daß sie es ihm nicht überlassen soll, logisch daß sie es nicht will, … ihre Option wäre also als „Mutter zum Kind“ zu ziehen, hier (vorerst)alleinerziehend zu leben, was ihr und dem Kind ein durchaus hinnehmbares und besseres Leben + Chancen eröffnet als dort wo sie jetzt ist (je nach Alter des Kindes 650 Euro bar + Kosten der Unterkunft vom Amt), – wovon sie sicherlich bei bescheidener Lebensführung oder etwas Zuarbeit locker Geld auf die Phil zu ihren Eltern schicken könnte.
    – Von „Walter auf Hartz4″ wird sie auf dem bösen Weg nichts bekommen, denn mit allen Klagen gegen ihn kann sie ihm nur Einkommen abnehmen, was über 900 Euro/Monat liegt , … dürfte er kaum haben … ihre einzige Option für eine gesicherte Zukunft wäre also am ehesten ein eigenes Leben mit dem Kind hier in Deutschland.
    -Eine „Rente“ von Walter könnte sie selbst nur empfangen, wenn sie sich mit ihm ein paar weitere Jahre arrangieren würde wollen.

    -Alle Angebote die Tochter ohne die Mutter nach D zu holen sind für mich eher menschlich gemein (auch der Tochter gegenüber, denn selbst eine schlechte Mutter ist in diesem Fall besser als keine, und gerade wo sie offensichtlich so berechnend ist, wäre es wirklich dumm von ihr dem zuzustimmen. Andererseits kann ich es nicht verstehen, daß sie angesichts ihrer Optionen dort vor Ort nicht ernsthaft erwägt , selbst mit dem Kind nach Deutschland zu gehen, … – ok, aus ihrer sicher beschränktem Wissen und Vorstellungskraft von der Welt und Europa vielleicht nachvollziehbar, aber nicht wenn sie allseitig informiert wäre, das System hier kennen würde und real mal nicht nur bis morgenvon 12 bis Mittag denkt.
    – Sicher wäre die Entscheidung schon gefallen, wenn ihre Familie um die realen Chancen auf mehr Geld wüßten, wenn sie wüßten wie rechtlich einfach Helen mit der Enkelin hier Fuß fassen könnte, geld schicken könnte, wenn sie erstmal hier in D leben würde…

    Gruß Torsten

    • Kai
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      Helen hatte sich ja schon an die deutsche Botschaft gewandt, die einen „Umzug“ von Tochter und Mutter ueberhaupt nicht erwaehnte, sondern ihr nur Adressen von Anwaelten in Metro Manila gegeben hatte, die auf solche Faelle spezialisiert seien, was fuer jemanden in notorischer Geldnot natuerlich nicht sehr hilfreich ist. Sie ist eine typische „bahala na“ Filipina und duerfte ohne Hilfe (finanzieller und anderer Art) wohl kaum etwas auf die Reihe bekommen. Selbst ein hilfreicher Auslaender wuerde dabei scheitern, wenn er nicht vor Ort ist und alles organisiert.
      Da sie Hilfe in Sachwerten strickt ablehnt (was beweisst, dass es um Kohle geht, und nicht um das Baby) wird von Walter wohl kaum etwas kommen. Er hat schon angekuendigt, dass er Sachwerte an meine Frau zur Weiterleitung schicken wird (die beiden stammen aus dem selben Dorf) und dann bleibt ihre Reaktion mal abzuwarten.

      Was eine „Ueberweisung“ der Zustaendigkeit in Sachen Scheidung auf die Philippinen angeht, ist das sinnlos, da es hier keine Scheidung gibt. Alle Scheidungen zwischen Filipinas und Auslaendern finden im Ursprungland des Ehemannes statt und werden auf den Philippinen nur dann anerkannt, wenn der auslaendische Partner die Scheidung beantragt. Macht der philippinische Partner das, dann bleibt die Ehe fuer den philippinischen Partner weiterhin bestehen. So sagt es das philippinische Recht.

  • Torsten
    Reply

    Ja, Kai, so habe ich mir den Ausgang der Geschichte vorgestellt. … Aus den Augen aus dem Sinn …
    Kann nur noch einmal anbieten, im Kindesinteresse seinem Kind und damit (nach deinen letzten Beschreibungen wohl „leider“) auch der (Abzock-)Mutter hier beim Aufbau einer eigenen , von Walter unabhängigen Existenz in Deutschland zu helfen.

    Keine Ahnung ob dieses Angebot überhaupt je die Mutter über diesen Weg hier erreicht hat …

    Gruß Torsten_fa(at)yahoo.de

    • Kai
      Reply

      Das Angebot hat die Mutter erreicht, aber sie hat keinerlei Interesse ihr Baby aufzugeben!

      Allerdings kann ich dem „aus den Augen, aus dem Sinn“ nicht zustimmen, denn Walter hatte einige Male Geld geschickt und hat es sich buchstaeblich vom Mund abgespart. Zuletzt schickte er Geld im August und wieder im September fuer den Geburtstag und fuer die Taufe, was natuerlich auch zweckentfremdet wurde. Fuer die Taufe wollte sie sogar 20.000 Pesos. Walter konnte nur 6000 Pesos schicken, was sie dazu veranlasste ihn uebelst per SMS zu beschimpfen. Als Rentenempfaenger auf Hartz IV Hoehe kann man nun mal keine Spruenge machen. Angebote, die Tochter nach Deutschland zu holen, lehnte sie ab!

      Ihr geht es nur um eine lebenslange „Rente“ von Walter, damit die Familie versorgt ist, die Tochter bleibt dabei aus finanzieller Sicht „zweitrangig“.

      Meine Frau hatte einige Male mit ihr gesprochen, und sie will auch nach Deutschland, aber nur um sich scheiden zu lassen und dann eben Unterhalt zu kassieren, den bei Walters finanzieller Situation wieder nur der Staat bezahlen muesste. Das Baby wuerde sie nie Walter ueberlassen mit der Begruendung, dass sie dann kein Geld mehr bekommen wuerde.

      Walter laesst sich halt immer wieder „weich“ klopfen und schickt, was er kann. Ich haette schon lange nichts mehr geschickt.

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