Walter zieht um…..

Es war im Maerz 2009 als Walter einsehen musste, dass das mit dem Internetcafe nun ueberhaupt nichts werden wuerde und dass die Besitzer von Computern wohl weiterhin ihre Geraete nach Surigao bringen wuerden, anstatt zu ihm zu kommen, obwohl er da ja wirklich extrem viel drauf hatte und den meisten Pinoys etwas vormachen konnte. Auch die Sache mit den Bildern „aus alt mach neu“ lief nicht und so wurde beratschlagt, was als naechstes moeglich waere.  Geld kam ja aus Deutschland nicht mehr, nachdem die Rentengeschichte vorlaeufig auf Eis lag, zumindest solange bis er sich in Deutschland einer Untersuchung unterzogen hatte, und die Wiedergenehmigung durch ist, aber wie kommt man ohne Geld nach Deutschland? Zum Schwimmen ist dann doch ein wenig zu weit.

Die Loesung hiess Paniog, das Heimatdorf von Helen und auch die Heimat meiner Frau. Ein grosser Umzug waere es ja nicht nur etwa 5 Kilometer ueber die Melgar Bay hinueber und schon war man da. Aber erst musste Helen das mal mit den Eltern abklaeren und die wussten ja mittlerweile, dass Walter nichts hatte. Ob sie da wohl gewillt waeren den Schwiegersohn aufzunehmen? Nun die Hoffnung, dass da vielleicht doch noch was aus Deutschland kommt, war gross und so stimmten die Eltern zu. Also wurde wieder mal gepackt und der Umzug vorbereitet, nicht dass es viel zum packen gegeben haette. Der Onkel wurde einmal mehr gebeten doch den Helm zu bezahlen, da man das Geld fuer den Umzug benoetigte, um den Transport fuer das Motorrad bezahlen zu koennen, aber der Onkel hatte wie immer kein Geld oder wollte keines haben. Die Eltern versprachen fuer „alles“ zu bezahlen, aber fuer das Motorrad wuerde es nicht reichen. Walter „weinte“ sich bei mir per SMS aus und ich erzaehlte ihm, dass es eine „Strasse“ gaebe und er die wohl mit dem Motorrad fahren koenne, aber mit dem Auto waere in Tacabaca Schluss. Allerdings sei diese Strasse nicht in sehr gutem Zustand, aber bei trockenem Wetter gibt es doch Leute die gelegentlich von Sering – dem Nachbardorf von Paniog – nach Tacabaca oder San Jose fahren wuerden. Es war ja Maerz und da regnete es noch immer, wenn auch bei weitem nicht mehr so viel wie im Februar. Wer die Ostkueste Mindanaos kennt, der weiss, dass Surigao von November bis Mitte Maerz buchstaeblich im Regen ertrinkt.

Walter war mutig! Wie koennte es auch anders sein! Es wurde also alles an einem Montag vormittag in ein Boot geladen und Helen machte sich mit den Siebensachen auf den Weg nach Paniog und Walter machte sich zunaechst auf die Fahrt nach Tacabaca, wo er sich mal nach dem Zustand der „Strasse“ erkundigen wollte. Ueber Balthasar, Wilson, Tagbaboy Gagmay und Dona Helene ging die Fahrt bis nach Tacabaca. Dort erkundigte sich Walter bei der Polizei nach dem Strassenzustand. Die aber wusste nichts zu sagen, da ja keiner so verrueckt ist und die Strecke Mitte Maerz faehrt. Er sprach mit den Habal Habal Fahrern, aber die waren auch nicht schlauer, da sie eben auch nicht gspinnert genug waren bei dem Wetter dort fahren zu wollen. Aber Walter war verrueckt genug und  entschloss sich nach dem genauen Weg zu fragen und wollte es wagen. Er war wie schon gesagt sehr mutig!

Walter fuhr also los und das erste Ziel war Nazareth am Ostende der Melgar Bay. Der Weg war ja ziemlich lang da die Melgar Bay sehr zerklueftet ist mit vielen kleinen Buchten und um jede einzelne musste er herum fahren, entweder am Meer entlang oder ueber die Kuestenberge hinweg, die gluecklicherweise nicht ueber 250 Meter Hoehe anstiegen.

Die Fahrt nach Nazareth dauerte auch nur eine gute Stunde und da die „Strasse“ (Pfad waere ein besseres Wort) sehr viel Kies im Belag hat, war es weder zu matschig noch rutschig.  Aber Nazareth war ja noch nicht mal die halbe Miete. In Nazareth staerkte sich Walter erstmal mit einer Tasse Kaffee im Sari Sari Store, um sich dann auf die Weiterfahrt zu machen. Nun wurde es „kriminell“, denn gleich hinter Nazareth stieg die Strasse an und nun war kein Schotter mehr im Belag, sonder nur noch die rote Erde von Dinagat und die ist wie Schmierseife als Strassenbelag. Sehr bald konnte Walter nicht mehr fahren, sondern musste an den schlimmsten Stellen schieben. Er schwitzte – bei ueber 90% Luftfeuchtigkeit auch kein Wunder – und er fluchte. Aber bald war oben und runterwaerts ging es doch bedeutend leichter, da die Schwerkraft mit half. Aber Walter rutschte und schleuderte nur so herum und nicht nur einmal fiel er dabei auf die Nase. Bald sah unser guter Walter aus, als ob er an einer Schlamm-schlacht teilgenommen hatte und nirgendwo war weit und breit jemand zu sehen, der ihm an den kniffligsten Stellen helfen konnte. Also musste er eben durch.  Und so langsam naeherte er sich Sering. Aber er musste noch durch ein sehr schattiges Tal und da stand das Wasser in den schlammigen Furchen. Aber fahren ging nicht, also war mal wieder schieben angesagt. Bei seinen ersten Versuchen dieses zirka 200 Meter lange Strassenstueck hinter sich zu bringen, versank er bis weit ueber die Knie im Matsch. Dem Motorrad erging es aehnlich, das wollte auch nicht oben bleiben. Also schob er und hob und wuchtete und fiel hin und wurde nasser und nasser und dreckiger und dreckiger und fluchte dabei lautstark vor sich hin. Der Schweiss lief in Stroemen und weit und breit gab es kein Bier um den Fluessigkeitsverlust auszugleichen. Nach knappen zwei Stunden hatte er auch dieses Wegstueck geschafft und musste nun nur noch die Anhoehe vor Sering hoch und danach kam eine tolle Abfahrt, die ich selbst nur noch allzugut in Erinnerung habe. Denn die ist wie eine Eisbahn wenn sie nass ist.

Er keuchte den Berg schiebend hoch mit Unterstuetzung des Motors und der Dreck flog in alle Richtungen. Mehr als einmal fiel er dabei wieder auf die Schnauze. Aber so langsam gewoehnte er sich daran. Endlich war er oben und nun kam die Abfahrt. Er schwang sich aufs Bike und los gings. Keine 30 Meter ist er gekommen und schon lag er das erste mal da. Ich sagte ja, das ist wie eine Eisbahn. Nach dem zweiten Sturz wurde Walter vorsichtiger und entschloss sich das Motorrad zu schieben. Aber es dauerte keine zwei Minuten und das Bike machte sich selbstaendig und rutschte die Abfahrt hinunter.  Zum Glueck ging es nur geradeaus, aber das Motorrad kam bestimmt fuenf Minuten vor ihm in Sering an. Ich bin diese Strecke nach einer Wanderung von San Pablo kommend 1989 auch heruntergekommen und es war genauso rutschig und so hatte ich mir die Schuhe ausgezogen und bin in Socken gelaufen, das bremste gewaltig.

Walter erreichte sein Motorrad und schwang sich auf das Geraet um nach Paniog zu fahren. Dieser letzte Kilometer war ein Kinderspiel auf nunmehr geschottertem Weg. Ohne weitere Zwischenfaelle kam er beim Haus von Helen an, wo zuerst einmal keiner glauben wollte, dass unter all dem Schmutz und Schlamm wirklich der Walter steckte. Aber es ga ja genuegend Wasser um dieses Problem zu beheben.

Aber die echten Probleme fuer Walter lagen alle noch in der Zukunft zum Teil sehr ueberraschende Schwierigkeiten zum Teil aber auch hausgemachte. Davon werde ich ein anderes mal erzaehlen.

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1 Comment
  • Reply

    Da sieht man wieder einmal, was so ein Motorrad (darf man dem so sagen?) proudly made in the Philippines aushält. So langsam scheint der Walter wirklich zum Pinoy zu werden …

    Ich bin gespannt auf die nächste Folge.
    Gruss aus freezing Switzerland
    waebi

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