Walters „Internet Cafe“

In diesem und in einigen zukuenftigen Beitraegen will ich ein wenig mehr von Walter erzaehlen. Es gibt da doch einiges, das in der langen Fortsetzungsgeschichte nur kurz angerissen war.

Als Walter nach San Jose in Surigao zog, plante er ja ein Internet Cafe aufzumachen, sicherlich ein schwieriges Unternehmen ohne Geld. Aber Walter war ja ein ewiger Optimist und glaubte das schon durchziehen zu koennen. Er kam also guten Mutes in San Jose an und dort zogen Helen und Walter erst einmal bei Helens Onkel ein. Der war natuerlich riesig erfreut ueber die unerwarteten Gaeste, aber philippinische Gastfreundschaft verbot ihm zu meckern. Am naechsten Tag schwang sich Walter auf sein Motorrad um den Ort zu erkunden. Helen hatte ihm erzaehlt, dass es in der ganzen Town kein Internet Cafe gaebe und auf seiner Erkundungsfahrt konnte Walter natuerlich drei Internet Cafes entdecken. Er ging in alle drei  ‚rein und unterhielt sich mit den Betreibern, die vom guten Geschaeft schwaermten, aber ueber mangelndem Reparatur Service schimpften. Alles muessten sie nach Surigao City bringen und da ging mindestens ein Tag verloren, bei schlechtem Wetter manchmal auch zwei. „Halloooo“ dachte sich Walter da ist ja Geld zu machen.

Zu Hause angekommen erzaehlte er Helen, dass man statt einem Internet Cafe doch ein „Repair Shop“ fuer Computer aufmachen koennte und gleichzeitig andere Arbeiten mit anbieten koennte wie z.B. alle Arten von Software und Installationen und andere Dinge, wie die zahlreichen alten Fotos, die ueberall in den Haeusern hingen durch neue Ueberarbeitungen auf Vordermann bringen. Helen war insbesondere begeistert ueber die Idee mit den alten Bildern. Das sollte gutes Geld bringen meinte sie.

Am naechsten Tag zog Walter also los um nach einem geeignetem Platz zu suchen, wo man diese Idee verwirklichen koenne. Er wurde auch recht bald fuendig und sah eine alte groessere Garage leer stehen, zwar ohne Fenster aber mit offenem Tor war es hell genug und nachts musste man eh Licht machen. Nun die Eigentuemerin witterte natuerlich in dem daher gelaufenen „Joe“ das Geschaeft ihres Lebens und forderte eine Monatsmiete von 5000 Pesos fuer das vergammelte Loch in dem es noch nicht mal  Strom gab und man sich erstmal mit der elektrischen Kooperative in Verbindung setzen musste um die Stromversorgung zu sichern. Zu Hause erzaehlte er von seinem „Fund“ und der Onkel meinte, dass er die Eigentuemerin kenne und der erst mal den Marsch blasen wuerde wegen ihrer unverschaemten Forderungen. Am naechsten Tag gingen Walter, Helen und der Onkel zu der „Tante“ und verhandelten. Man einigte sich auf eine Monatsmiete von 800 Pesos und Strom wuerde sie mittels eines Verlaengerungskabels vom Haus zur Verfuegung stellen, bis die Coop den Zaehler installiert hatte.

Man benoetigte nun einen oder mehrere Computer und so machte sich Walter am naechsten Morgen auf den Weg nach Surigao um sich dort zu erkundigen. In einem Computerladen fand er auch ein komplettes Angebot einschliesslich Drucker fuer 13000 Pesos. Man verhandelte und der Verkaeufer gab ihm Discount und Walter bezahlte nur knappe 12k. Fuer einen zweiten Rechner langte das Geld aber nicht mehr. Walter fuhr zurueck nach San Jose und besorgte dort noch Holz, Farbe und Naegel, denn am naechsten Morgen wollte man mit der Renovierung der Garage beginnen.

Da man Geld fuer den Schreiner sparen wollte, machte sich Walter selbst an die Arbeit. Er war handwerklich wirklich geschickt, aber er war kein Schreiner. Trotzdem zimmerte er, was das Zeug hielt; er haemmerte und fluchte, hobelte und schimpfte, saegte und maulte, nagelte und schrie usw. Aber entgegen aller Erwartungen war das „Rumgeschreinere“ von Walter gar nicht so schlecht. So langsam nahm alles Formen an in den naechsten Tagen. Ein kleiner Bereich wurde abgetrennt zum schlafen. Der Rest war das „Shop“ mit Arbeitstisch, Wartebank und dem Computertisch, der ja beim Kauf dabei gewesen war.

Am naechsten Tag druckte Walter einige „Broschueren“ und verteilte die im Ort. Einige wurden auch an strategisch wichtigen Stellen aufgehaengt um Kunden zu werben. Und nun begann das Warten auf Kunden. Die Internet Cafes hatte er persoenlich ueber seinen Reparatur Service informiert. Nach einigen Tagen sollte dann auch der erste Kunde kommen. Ein altes vergammeltes Hochzeitfoto solle also „restauriert“ werden. Nun Walter sagte dem Kunden am naechsten Tag wieder zu kommen und machte sich an die Arbeit. Als er fertig war, war das Resultat nun wirklich gelungen.

Am naechsten Tag kam der Kunde um sein neues „altes“ Hochzeitsbild abzuholen. Die Begeisterung war gross und er meinte, er wuerde Walter weiter empfehlen, aber als der Kunde zahlen sollte, gab es ein langes Gesicht. Denn die 450 Pesos die Walter fuer seine Arbeit einschlieslich Drucken verlangte waren dem guten Mann zuviel. Denn die Preisliste, die Walter ihm gegeben hatte, hatte der Kunde  nicht gelesen. Es wurde also eine Weile gefeilscht und man einigte sich auf 350 Pesos. Natuerlich hatte der Kunde nicht genug Bares in der Tasche und zahlte 200 Pesos an und versprach den Rest in der kommenden Woche zu begleichen. Aber der Kunde kam nie mehr zurueck. Weitere Kunden kamen nur sporadisch und das eingenommene Geld reichte hinten und vorne nicht. Der Onkel bot Walter an seinen Helm zu kaufen und machte eine Anzahlung von 500 Pesos. Auch hier bekam er das Versprechen: Naechste Woche und danach hiess es wieder: Naechste Woche…. usw, aber das kennen ja die meisten Expats nur zu gut.

Die Miete war faellig, aber Walter konnte nur die Haelfte bezahlen, versprach aber von den naechsten Einnahmen zu „loehnen“ was er auch machte. Sechs Wochen mit dem „Internet Cafe“ waren vergangen, aber Geld wurde keines verdient. Reserven hatte man nicht, also musste das Cafe geschlossen werden. Uebrigens waren die Internet Cafe Betreiber nie zu Walter gekommen, die waren weiter nach Surigao City gefahren um ihre PCs repariert zu bekommen.

Helen und Walter entschlossen sich nach Paniog zu ziehen, aber das ist eine andere Geschichte.

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3 Comments
  • Kai
    Reply

    Aber es ist fuer viele nicht leicht einzusehen, dass auswandern gar nicht so einfach ist und ohne entsprechendes finazielles Polster oder stetigem Einkommen aus der Heimat meist scheitert. Viele Expats, die ich getroffen habe, fuehren hier ein Leben, ueber das sie sich in Deutschland bitter beschwert haetten.

  • Bong
    Reply

    es waere schoen, wenn viele der Moechtegern- und hoffentlich Baldexpats diese Geschichte lesen. Man erkennt doch, wie schnell man mit dummen Ideen hier auf die Nase fallen kann. Auch wenn man es nicht glauben will, aber so richtig dumm sind die meisten von uns und in jedem von uns steckt ein kleiner Walter.

  • Speedy
    Reply

    Das war ja immerhin ein gar nicht schlechter Anfang, den Walter dort gemacht hat. Gescheitert dürfte er aber wohl an seiner Preispolitik sein, denn 450 PHP für eine Fotorestaurierung sind doch ein wenig heftig …

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