Walters Motorrad – Eine Fahrt mit „Hindernissen“

Es war Anfang Februar 2009 als Walter sich entschloss zu Helen nach Surigao zu fahren und dort zu leben. Ich warnte ihn wegen der Naehe der Familie, aber er erwies sich wie so oft als beratungsresistent und begann die Reise kurzfristig zu planen. Er wollte mit dem Motorrad fahren und ich beschrieb ihm den Weg und die Strassen sehr genau und informierte ihn auch ueber die Bruecken und Bergdurchfahrten, also alles wo Hoehen vorkamen, da er ja wegen seiner Hoehenangst eingeschraenkt war. Zudem machte ich eine Farbkopie meiner Strassenkarte. Er entschloss sich nachts zu fahren nach dem Motto „Was ich nicht sehen kann, macht mir auch keine Angst“.

Zwei Tage nach seinem Entschluss brach er dann abends gegen acht Uhr auf, nachdem er alles in die Satteltaschen gepackt hatte, die er sich schon vor einiger Zeit gekauft hatte. Alles andere liess er bei uns und das sollten wir mitbringen wenn unser Truck nach Surigao fuhr um Teile fuer den Bootsbau dort hinzubringen. Wir verabschiedeten uns und wuenschten gute Reise. Es war bereits nach acht Uhr, als er los fuhr.

Gegen zehn Uhr ratterte mein Handy los und ich erhielt eine SMS von Walter. Sein Motorrad hatte den „Geist“ aufgegeben und da stand er nun irgendwo in der „Prairie“ zwischen dunkel und siehst mich nicht.

Ich rief  ihn also an und fragte: „Sag mal, was ist denn passiert?“

Er entwortete: „Die Kiste hat den Geist aufgegeben, der Motor starb einfach ab und dann rollte ich aus und nun stehe ich da wie bestellt und nicht abgeholt.“

„Ja wo bist du denn genau?“ fragte ich, aber er konnte mir es nicht sagen.

„Kannst du mir nicht einen Mechaniker schicken, ich kann da draussen in der Dunkelheit nichts machen?“

„Wo soll ich denn mitten in der Nacht einen Mechaniker hernehmen?“ entgegnete ich und bat ihm mir seinen letzten Weg genau zu beschreiben.

„Ich war auf einer abschuessigen betonierten Strasse mit ein paar scharfen Kurven und stehe nun an einer Bruecke ueber einen Bach in einem kleinen Tal“, erzaehlte er.

Ich ueberlegte und meinte: „Ich glaube ich weiss wo du bist. Lauf einfach mal 200 Meter die Strasse entlang in Richtung Davao, da stehen ein paar Haeuser und frag da mal nach ob sich einer mit Motorraedern auskennt.“

Eine Stunde spaeter bekam ich eine weitere SMS, in der er mir mitteilte, dass jemand dort sein Motorrad in Ordnung gebracht hatte und es laufe wieder. Habe ihm allerdings 200 Pesos gekostet. Es war nur ein Problem mit der Zuendung gewesen.

Zum Glueck bin ich ein Nachtmensch, denn gegen drei Uhr morgens meldete sich Walter wieder bei mir. Er war nun bei Trento und hatte dort in einer Karaoke Bar ein nettes Madel getroffen und wuerde wohl den Rest der Nacht bei ihr verbringen. „Mein Gott Walter“ bitte nicht schon wieder ein „nettes Maderl“….. und dann noch aus einer Bar……

Aber Walter konnte es halt nicht so gut ohne die Maedels. Gegen Mittag erreichte mich die naechste SMS und er sei nun in Butuan und furchtbar muede. Er werde also erstmal in eine Lodge gehen und schlafen und morgen in aller Fruehe weiter fahren. Na wenn da mal nicht ein anderes Paar huebscher Beine dahinter steckte?

Am naechsten Tag bekam ich dann die Nachricht, dass er in Surigao angekommen sei, aber das Pumpboot nach San Jose nicht finden koenne. Ich schrieb zurueck, dass er die in der Naehe vom Tavern Hotel finden wuerde. Die naechste Nachricht liess nicht lange auf sich warten. Er beschwerte sich, dass das Boot 2500 Pesos haben will fuer die Ueberfahrt und er soll extra nochmal 350 fuer das Laden bezahlen. Ich wusste, dass 350 fuer die Passage und 200 fuer das aAufladen angemessen sei, aber versicherte mich nochmal bei meiner Frau. Sie bestaetigte die Preise und ich rief an. Ich unterhielt mich mit dem dem „Purser“ vom Boot und wir „stritten“ eine Weile in philippinischer Manier um den Preis. Als ich dann Indays einflussreichen Onkel erwaehnte (Name dropping funktioniert fast immer auf den Philippinen) ging es auf einmal zum Normalpreis. Walter musste also nur 550 Pesos einschliesslich laden bezahlen und dann nochmal 200 fuer das Ausladen in San Jose.

Gegen 3 Uhr nachmittag informierte mich Walter, dass er gut angekommen sei in San Jose.

Nun stand dem „jungen Glueck“ ja hoffentlich nichts mehr im Wege und ich hoffte, die beiden wuerden nun endlich ihre Ehe zum Laufen bringen.

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