Walters Motorrad

Am 18. Oktober 2008 waren Walter und Helen aus unserem Haus ausgezogen und hatten sich nur zirka 2 Kilometer von uns entfernt ein Haus gemietet, das allerdings reparaturbeduerftig war und bei heftigem Regen stellte es sich auch als nicht ganz dicht heraus. Zum Glueck erlaubte die Eigentuemerin Reparaturen von der Miete abzuziehen.

Schon zwei Tage nach dem Umzug schaute Walter nach einem Motorrad. Er dachte daran sich ein neues zu kaufen und auf Raten zu bezahlen, aber das erwies sich als gar nicht so einfach, schliesslich hatte er „nur“ ein Touristenvisum und die Verkaeufer waren da wohl skeptisch er koennte einfach wieder ausreisen. Schliesslich fand er eine gebrauchte 125er Yamaha XT die ihm gefiel und die scheinbar auch einigermassen in Ordnung war. Scheinbar….. Nun der Verkaeufer wollte 40k haben, aber Walter war ja nun wirklich klamm bezueglich barem und da er schnell feststellte, dass der Verkaeufer einen Laden fuer Computerteile und Elektronik hatte, machte er ihm ein Angebot. 10k in bar und der Rest durch einen Tausch mit seinen Computerteilen, die er ja im voraus per Balikbayan Box an mich geschickt hatte. Der Verkaeufer stimmte nach ausgiebiger Besichtigung aller Teile zu und Walter war nun motorisiert. Ein Kaufvertrag wurde geschlossen, aber das war etwas komplizierter, da der Eigentuemer nicht der Verkaeufer war, sondern dessen Bruder. Eine „Power of Attorney“ lag nicht vor. So wurde das Geschaeft zwar abgeschlossen, aber eine Umschreibung des „Bikes“ war nicht moeglich, da der Bruder erstmal den Vertrag unterschreiben musste. So konnte Walter zwar das Motorrad benutzen, aber das war auch alles fuer den Moment.

Als naechstes mussten zwei Helme besorgt werden, denn auch hier galt die Helmpflicht. Walter kaufte zwei billige „Integralhelme“ Made in China und was oder ob die was taugen, wuerde man nur im Falle eines Unfalls erfahren. Hoffentlich mussten sie sich nicht bewaehren, denn bei 1500 Pesos pro Helm bin ich eher skeptisch.

Nach den ersten Tagen stellte Walter natuerlich einige ganz erhebliche Maengel an dem „Gefaehrt“ fest. So musste der Motor ueberholt werden. Wie schon gesagt war Walter sehr geschickt im Handwerklichen und hatte auch in Bezug Motoren Erfahrung und er zerlegte das „Geraet“ komplett in seine Einzelteile. Ich kannte ja Walter in dieser Beziehung. Auch wenn er ein „Teil“ noch nie zerlegt hatte, so begann er die Arbeit sowieso und sortierte alle Teile, jede Schraube in der Reihenfolge, in der er sie entnahm. Die ganzen Teile wurden auf ein grosses weisses Tuch gelegt. So hatte er versucht meine Bridge Kamera zu reparieren. Leider war das kaputte Teil fuer die Kamera einzeln nicht zu bekommen und so baute er sie wieder zusammen und sie funktionierte genauso wie vorher ohne das Zoom. Auch die Zerlegung des Motors ging so von statten. Als er den Motor zerlegt hatte wollte er erstmal einen neuen Dichtungssatz und verschieden andere Teile kaufen. Er ermahnte Helen noch einmal nur ja nichts anzufassen und zog los um alles zu besorgen. Als er zurueck kam, gab es einen Riesenschrecken. Das weisse Tuch mit den Teilen war weg. „Wo sind die Motorenteile?“ fuhr er Helen an. „Na im Tuch schoen gebuendelt in der Abstellkammer. Mich hat das hier im Wohnzimmer gestoert.“ entgegnete sie und Walter holte sich das Buendel aus der Kammer. Alles war natuerlich durcheinander gepurzelt und Walter fluchte erst mal alle Heiligen vom Himmel ‚runter. Dann schiss er Helen zusammen, die natuerlich „nix“ gemacht hatte, schliesslich sei alles vollstaendig war ihre Ausrede um das „nix“ zu begruenden. Der Haussegen hing also die naechsten drei Tage schief, denn als Walter versuchte nach einer Stunde oder so einzulenken, machte Helen einen auf „Tampo“ und fuer drei Tage gab es das Schweigen im Walde. Walter kam erst mal zu uns ‚rueber und „weinte“ sich aus.

Am naechsten Tag versuchte Walter die Teile wieder zu sortieren so gut es ging und alles was er nicht genau wusste wurde getrennt aufbewahrt. Dann ging es an die Reparatur und Walter fing mit dem Zusammenbau an und tauschte dabei Beschaedigtes aus. Da er drei Tage brauchte wurde er wegen Helens Schweigen wenigstens nicht gestoert. (Ich frage mich, was solche „Streitereien“ bringen, ist doch schade um die verlorene Zeit miteinender. Wir haben das in unserer Ehe ganz am Anfang schon abgestellt.) Walter brachte den Motor – wie nicht anders zu erwarten – am Ende auch ohne Probleme zum Laufen. Er musste auch noch einige andere Teile besorgen und erneuern, aber dann stand das „Ding“ da wie eine eins.

Mittlerweile war auch der unterschriebene Kaufvertrag zurueck gekommen und das Motorrad wurde auf den Namen von Helen umgemeldet. Das naechste Problem war nun Walters Fuehrerschein, denn mit dem deutschen „Lappen“ (er hatte noch den Rosanen) konnte er nur bis zum 6. November fahren. Er ging also auf die LTO und beantragte einen philippinischen Fuehrerschein. Nun es blieb beim Versuch, denn mit einem Touristenvisa wollten sie den Fuehrerschein nicht umschreiben. Und seinen internationalen „Lappen“ haben sie nur angesehen, die Nase geruempft und gemeint, dass der hier nicht gilt. Zum Glueck habe ich gute Beziehungen zum Chef der LTO hier und lud den in den naechsten Tagen zum Abendessen ein. Er kam gerne, denn er fuhr auf Rindsrouladen absolut ab. Spaetzle wollte er keine dazu, aber Kartoffelbrei. Nach dem Essen schilderte ich ihm Walters Problem, dass fortan fuer kurze Zeit sein Problem war. Innerhalb von zwei Tagen hatte Walter einen Computerausdruck als Fuehrerschein in der Tasche, der fuer 5 Monate galt. Bis dahin wuerde der origninale Fuererschein aus Manila ankommen.

Also war nun fuer Walter erstmal „Friede, Freude, Eierkuchen in Sachen Motorrad und Fuehrerschein angesagt und er brauchte keine Kontrollen mehr zu fuerchten.

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