Walters Zeit in Paniog

Die eifrigen Leser hier koennen sich sicher an Walters Umzug erinnern, als er mit dem Motorrad von San Jose nach Paniog fuhr. Er kam ja total verdreckt an und hatte eigentlich eine freundliche Begruessung erwartet. Aber dem war nicht so. Helen fauchte ihn an, doch erst einmal ein Bad zu nehmen mit all dem Schlamm. Also wollte Walter baden. Aber was fuer ein Bad! Denn die Eltern von Helen hatten kein Badezimmer. In San Jose konnten sie wenigstens noch beim Onkel baden. Rico, mein Schwager hatte Mitleid mit Walter und bot ihm das Badezimmer im Haus der Familie an. War zwar auch nur ein – wie es auf dem Land eben ueblich ist – „Schoepfkellenbad“, aber nachdem er sich gruendlich geschrubbt hatte, sah er wieder aus wie ein Mensch.

Zurueck im Haus von Helens Eltern wurde dann auch gleich ueber finanzielles gesprochen. Denn die Eltern hatten kein Geld, Walter auch nicht und nun wurde Druck auf ihn gemacht, das Motorad zu verkaufen. Walter wollte eigentlich nicht so recht, aber Helen jammerte und am Ende stimmte er zu.

Am Abend musste er sich zum ersten Mal an wirkliches „Landessen“ gewoehnen, denn es gab Bulad und Reis. Geschmeckt hat es ihm nicht und gegessen hatte er auch nicht viel. Ich bekam von ihm auch prompt eine SMS, in der er von seinem „opulenten Mahl“ erzaehlte. Und zum ersten Mal musste er am naechsten morgen Nilugao zum Fruehstueck essen. Das ist nur eben waessrig gekochter Reis in Salzwasser. Natuerlich war sein Essen wieder von einer SMS begleitet.

Die ersten Tage gingen vorbei und es meldete sich ein Kaeufer fuer das Motorrad. Man hoere und staune: Es war der dicke Cousin von Helen, der seinerzeit ein Laptop von Walter bestellt hatte, es ihm aber nicht abnahm nach Walters Ankunft auf den Philippinen. Denn angeblich hatte er kein Geld. Natuerlich sollte es ein Teilzahlungsgeschaeft sein, denn er hatte nicht genug cash. 25000 Pesos wollte es bezahlen und 15000 wollte er anzahlen. Das Motorrad war aber wesentlich mehr wert. Walter protestierte und wollte nicht verkaufen, aber da das Motorrad auf Helen zugelassen war, hatte er keine Wahl. Der Cousin machte also seine Teilzahlung und uebernahm das Motorrad. Die Papiere bekam er natuerlich noch nicht. Aber wie ihr euch denken koennt, ist das nicht das Ende der Geschichte.Das Geld nahm zum Grossteil Helen in Verwahrung und Walter behielt nur 5000 Pesos.

Am Anfang machte Walter das Landleben noch einigermassen Spass; er schaute sich die Gegend an, wanderte nach Sering und Melgar, fuhr mit dem Boot nach San Roque und kam – vom Essen mal abgesehen – einigermassen zurecht. Nur wird das natuerlich innerhalb weniger Tage langweilig,  insbesondere da er alles auf dem Landweg zu Fuss machen musste.

Jeden Tag gab es Reis mit Fisch in allen erdenklichen Variationen. Ich will euch das hier ersparen, da Philippinenkenner das ja eh wissen.

In Sering, dem Nachbardorf, wurde jeden Sonntag geschlachtet und Walter wollte auch mal wieder Fleisch essen. Er sprach mit Helen, und die meinte lapidar, dass man kein Geld dafuer habe. Als Walter nach dem Verbleib des Geldes fragte, meinte sie dass sie alles ausgegeben habe fuer Reis und Fisch und fuer das Baby und verlangte natuerlich auch die 5000 von Walter. Auf mein Anraten hin, hatte er das Geld aber zur Verwahrung Rico gegeben und ich habe dafuer garantiert. Er behielt sich lediglich 200 Pesos in der Tasche, die er alle zwei oder drei Tage aufrischte. Er sagte, dass er dieses Geld als absoluten Notgroschen aufheben wuerde und es nicht herausgeben werde. Helen war sauer und sprach nicht mehr mit ihm.

Als es Zeit zum Essen war rief ihn keiner an den Tisch, als er sich hinsetzte – alle anderen hatten schon angefangen bzw. waren fast fertig – gruesste ihn keiner. Es war als ob er nicht existierte. Ich hatte ihn ja schon lange vor einer solchen Situation gewarnt und er nahm es eben hin.

Leider kam Walter mit dem Essen ueberhaupt nicht zurecht und er ass nur sehr wenig. Natuerlich nahm er ab. Einmal die Woche klagte er mir mindestens sein Leid. Waere wohl taeglich gewesen, aber er hielt sich zurueck mit dem Load kaufen.

Und so kam es wie es kommen musste. Eines Tages, es muss um den 20. April herum gewesen sein, klappte er zusammen und kollabierte. Wie lange er da bewusslos auf dem Boden gelegen hatte, wusste er nicht mehr, aber es war wohl gegen fuenf gewesen als er zusammen brach und nun war es schon dunkel und es ruehrte sich nichts im Haus. Er schleppte sich zu seinem Schlafplatz in der Ecke – aus dem gemeinsamen Zimmer hatte Helen ihn seit der Weigerung mit dem Geld ausquartiert – entrollte die Matte und schlief auch sofort ein. Drei Tage lag er auf seiner Matte, und wenn er etwas brauchte wie Wasser zumTrinken musste er es sich trotz seines erbaermlichen Zustandes selber holen. Nach drei Tagen schickte er mir eine SMS und bat mich anzurufen. Das machte ich und als er mir von seinem Zusammenbruch und der „Hilfe“ erzaehlte, riet ich ihm zu gehen. Ich bot ihm an bei uns zu bleiben, bis er nach Hause fliegen konnte. Nun machte sich sein Notgroschen bei Rico bezahlt.

Ich rief Rico an und bat ihn fuer Walter was vernuenftiges zu kochen wie Huehnersuppe.  Inday wuerde ihm das Huhn bei ihrem naechsten Besuch bezahlen. Zwei Stunden spaeter kam eine SMS von Walter und er bedankte sich fuer das Essen. In jener Nacht blieb er bei Rico.

Am naechsten Tag erzaehlte er Helen, dass er gehen wuerde. Sie nahm es mit einem Axelzucken zur Kenntnis. Er packte seine Sachen und kroch erst mal bei Rico unter. Am 27.4. bekam ich frueh morgens eine SMS, dass er Paniog verlassen hatte und auf dem Boot nach Surigao City sei.

Von dort fuhr er mit dem Bus nach Butuan und ueber Davao nach Gensan. Nachts um eins kam er bei uns an. Aber er sah schlimm aus. Wog er frueher 80 Kilo, dann wog er jetzt nur noch 60 Kilo.

Wir mussten ihn wohl erst einmal wie hoch paeppeln.

Und das austehende Geld fuer den Motorradverkauf wurde nie an Ihn bezahlt.

The end.

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2 Comments
  • Bucher
    Reply

    Ich Persöhnlich Komme aus Philippinen,Gebuhren in Mainit Surigao del Norte.Wohnhaft in Luzern Switzerland

    Hallo kai!

    es tut mir Fürchterlichleid für deine Kollig Walter.Ich verstehe selber nicht warum das Immer wieder Frauen aus meinen Heimatland Phil,genau so Aasgeir so wie alle andere sind.das der Freund oder Ehemanne es würde dann Ausgenutz.Meine meinung nach man sollte es nicht zu viele vertrauen geben.in Solchen falle muss ihre freund Walter nicht auf die Frau weich werden.Schlussendlich er ist Immer noch die Person das sein Einkommen mit nach hause bringt.der Frau hat null Respekt gegen Walter.Ich kenne die Frau nicht,Aber Ich muss sagen das sie eine schlechte Character hat.Klar der Familie ist Arm, Helen gibst z’war grund das sie der geld die meisten Leute in der Philippinen denken nur an eine sache Personen aus der EU Länder hat viel Geld.Ich höfe das ihr lieben freund Walter hat sich wiedr erhölt nach dem tragische erlbnisse. das er nicht mehr viel gegesen hatund vielleicht noch sehr wenig Flüssigkeit zu sich,Das ist ja kein Wunder das ihr freund tage lang Bewusstloss da noch Kollabiert.Walter wurde allerdings ausgenutz,man rief ihn nicht beim essen, überhaupt er wurde auch nicht gefragt ob er andere wünsche hat.Er tut mir ja so leid. Ubrigens über den Geld von der motorad kann er Vergessen.von sollchen Fehler kann man nur dazu viel Lernen.Konsequence muss sein und sonst geht es nichts!Lass euch nicht von der menschen dort erbeuten oder ablinken zu lassen.
    Trotz dem Ich wünsche euch noch viel mehr Spass!!!

    euhre Arlene Bucher

    • Kai
      Reply

      Hallo Arlene
      Danke fuer ihren Kommentar.
      Walter ist seit November 2009 ja wieder in Deutschland und im naechsten Monat wird er zum ersten mal wieder auf die Philippinen kommen. Die Scheidung von Helen laeuft und duerfte in den naechsten Wochen ausgesprochen werden, nachdem saemtliche Versuche von Walter sich zu versoehnen von Helen abgelehnt wurden. Ob er seine Tochter sehen kann steht in den Sternen, da Helen sich jeden Besuch mit 30000 Pesos versilbern lassen will, was er sich aber nicht leisten kann.
      Meine Frau kommt ja auch aus Surigao und Mainit, ihre Heimatgemeinde, kenne ich sehr gut. Lake Mainit ist wunderschoen und wir uebernachten oefter im Almond Resort am See.
      Ich wuensche ihnen eine gute Zeit.
      Kai

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