Weihnachten auf den Philippinen

Mitte  September geht es los; verhaltene Weihnachtsmusik klingt aus den Lautsprechern der Malls. Menschen in den riesengrossen Shopping Centers  fragen sich: “Was, schon?” Die laengste Weihnachtssaison der Welt hat begonnen. Sie dauert von ca Mitte September bis in den Februar hinein. Wahrscheinlich hoert sie nur deswegen auf, weil es ja nun an der Zeit ist an Ostern zu denken.

Im Verlauf des Monats tauchen nun mehr und mehr Weihnachtsdekorationen in den Laeden auf, die Verkaufsabteilungen fuer Christbaeume und Weihnachtsschmuck sind nun in prominenter Position zu finden und die Spielwarenabteilungen sind auf einmal dreimal so gross und quellen ueber von allem, was ein Kinderherz erfreut. In der Hauptsache findet man billiges Plastikpielzeug aus China, aber auch die Barbie und Spielsachen von Matell duerfen nicht fehlen.

Auf den Strassen geht es geschaeftig zu; ueberall sieht man Maenner mit Leitern oder leiteraehnlichen Gebilden diese an die Pfosten der Strom -und Telefongesellschaften lehnen und hinauf klettern – meist ohne jede Sicherung –  und die Weihnachtsdekorationen der Staedte und Gemeinden werden angebracht. Auf dem Land klettert man dabei auf die erwaehnten gefaehrlichen “Leitern” in der Stadt wird schon mal ein Feuerwehrauto dazu zweck entfremdet, oder man hat sogar einen Cherry Picker.

Der grosse Weinachtsbaum wird meist auf der Plaza oder vor der Stadthalle aufgebaut und geschmueckt. Mal ist es ein riesiger kuenstlicher Nadelbaum, ein anderes mal ein Drahtgestell das liebevoll in die Form einer Tanne gezwungen wird und mit vielen Lichtern und anderem dekoriert wird.

Ueberall lacht uns Santa Claus entgegen, denn den hat man von den Amerikanern geerbt wie das Coca Cola, Kodak, Colgate und so manches andere.

Bereits im fruehen November schmuecken viele Filipinos ihren Weihnachtsbaum zu Hause und erfreuen sich. Fuer die Aermeren reicht es meist nicht fuer ein Baeumchen, dann werden entweder Weihnachtswuensche ueber der Eingangstuere aufgehaengt oder eine Christbaumkugel haengt einsam im Fenster. Aber auch fuer sie ist Weihnachten und sie freuen sich auf das Fest.

Eine Weihnachtskrippe wie man sie in vielen deutschen Familien und auch Gemeinden findet ist so gut wie unbekannt. Erst einmal in all den Jahren, in denen ich hier lebe, habe ich eine gesehen.

Auch hat die Adventszeit ausserhalb der Kirche kaum Bedeutung fuer die Filipinos. Adventskraenze sind fast unbekannt. Wir pflegen aber bei uns zu Hause diese schoene alte Tradition.

Eine Tradition, die in Europa nur an Sylvester statt findet, ist das Boellern. Bereits zwei Monate vor Weihnachten werden Boeller und Kracher los gelassen; je naeher das Fest rueckt um so lauter wirds. Und wenn Weinachten vorbei ist kracht es weiter, denn bald ist Neujahr. Die kurze Atempause danach dauert nicht lange, denn es folgt das chinesiche Neujahr. So ist die gesamte Weihnachtszeit vom Krachen der Feuerwerkskoerper untermalt.

Weihnachtlieder im Familienkreis vor dem Baum singen kennt man kaum; aber Lieder singen vor den Haeusern und das ganze noch von einem Topfdeckelschlagzeug oder einer Konservendose mit Steinen drin begleitet, ist gang und gaebe. Carolling nennt sich das, wenn Gruppen von Haus zu Haus ziehen und singen. Natuerlich wird eine “Spende” erwartet und so mancher “Rausch” wird damit finanziert. Insbesondere Kinder sind sehr aktiv und machen sich ein schoenes Fest von all den Spenden.

Natuerlich gehoert gutes Essen hier genauso zum Weihnachtsfest wie in allen anderen Laendern.

Ein bedeutender Unterschied ist die urspruengliche Bedeutung von Weihnachten: Die Geburt Christi. Hat in Europa der Kommerz das alles fast geschluckt, so sorgen hier die Kirchen in zahlreichen Konfessionen fuer eine stete Erinnerung und wohl nirgendwo sind die Christmetten so gut besucht wie auf den Philippinen.

Traeumt man in westlichen Laendern von “weissen Weihnachten” so traeumt man hier von friedlichen Weihnachten. Zahlreiche Rebellengruppen schliessen “Waffenstillstaende” mit der Regierung und zumindest schweigen die Gewehre in diesen Tagen. Die Ruhe ist nur nicht von langer Dauer und bald beherrschen wieder die Nachrichten eines bereits viele Jahre dauernden Rebellenkrieges die Schlagzeilen.

Weihnachten auf den Philippinen ist anders, aber es “weihnachtet” hier mehr als in anderen Laendern.

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2 Comments
  • Reply

    Hallo Herr Doerrer,
    ich war mit meinem Sohn im Sommerferien in Manila. Die Stadt hat uns wirklich sehr gefallen. Die Menschen sind sehr sympatisch. Selbstverständlich würde ich gerne mit meinem Sohn unser Weihnachten auf den Philippinen verbringen, jedoch kann ich es leider nicht, da ich Dienst haben werde.

    Ich und mein Sohn würden uns sehr freuen, wenn Sie bitte aus den Philippinen näheres berichten würden.

    Schöne Grüße
    Gisela und Alex

    • Kai
      Reply

      Hallo
      Bedauerlicherweise bin ich nicht der Herr Doerrer, wir haben nur zufaellig die gleichen Vornamen. Aber wenn sie mir sagen, was sie naeheres wissen wollen, kann ich ihnen vielleicht auch weiterhelfen. Meine email Adresse finden sie im Impressum.
      Gruss
      Kai Thoma

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