Wie alles begann….. 4. Teil

Am ersten Tag liessen wir es sehr geruhsam angehen. Wir mussten natuerlich mit fast allen Nachbarn reden, die schon sehr neugierig waren und meine Frau freundete sich mit einer Lehrerin aus der Nachbarschaft an. Gleichzeitig liessen wir alle Nachbarn wissen, dass wir ein Appartment oder Haus zu mieten suchen. Allerdings wollten wir das nicht in Hayco haben, denn das war eine Squattersiedlung. Zwar war es im Stil einer Subdivision, aber eben doch auf illegal besetztem Land und der Eigentuemer hatte einige Monate vorher Klage eingereicht. (Diese Klage wurde im uebrigen erst 2008 entschieden durch das Supreme Court, aber die Menschen leben noch immer dort.) Wir hatten ja schon vorher beschlossen voruebergehend in Cebu zu bleiben und erst mal schauen, was wir ueberhaupt dort machen wollten. Wir hatten naemlich noch keinerlei konkrete Vorstellungen und die Idee meiner Frau mit Jeepneys oder Taxis den Lebensunterhalt zu verdienen schmeckte mir ueberhaupt nicht.

Am naechsten Tag zogen wir dann los nach Moebel und Elektrogeraeten zu schauen. Das war natuerlich zuerst mal informativ und zum Preisvergleich gedacht, kaufen wollten wir erst, wenn wir eine Wohnung haben.

Am Sonntag kam dann ein Nachbar und meinte in der Sotero Cabahog Street waere ein Appartment frei und wir sollten uns dort mal erkundigen. Diese Strasse lag nur etwa 100 Meter ausserhalb von Hayco in Mabolo und das gefiel natuerlich meiner Frau, denn sie kannte ja ein paar Leute in Hayco und ausserdem lebte ihr Bruder dort. Leider war der Eigentuemer uebers Wochenende weg gefahren.

Am Nachmittag borgte sich dann mein Schwager 1000 Pesos von mir und wollte sie mir eigentlich am Abend zurueck geben. Als ich ihn nach dem Abendessen danach fragte, meinte er nur, dass er beim Wetten im Cockpit leider verloren habe. „Cockpit?“ fragte ich und er erklaerte mir, dass man die Arena fuer Hahnenkaempfe so nennt.  Ich wusste zwar, dass Hahnenkaempfe sehr beliebt waren im Land, aber die Bezeichnung war mir dann doch neu. Damals gab es eben noch kein Internet in dem man sich vorab informieren konnte und man musste alle seine Erfahrungen selbst machen. Und die 1000 Pesos waren damals sehr viel mehr Geld als heute. Ein Kilo Reis kostete 6 Pesos, der Liter Diesel auch 6 Pesos und ein Kilo Fleisch, egal welches, kostete 35 Pesos. Aber er versprach immerhin am naechsten Zahltag die 1000 Pesos zurueck zu geben.

Am Montag ging ich dann auf die City Bank um ein Konto zu eroeffnen und die beiden Schecks einzuzahlen. Das ganze war damals wesentlich unkomplizierter als heute. Ein Ausweis genuegte, nach einer Aufenthaltserlaubnis wurde nicht gefragt. Ich hatte ja das meisste meiner 66000 Mark in Dollar Reiseschecks gewechselt und mir 5000 Mark in Bar behalten. Dazu kamen noch die beiden Schecks fuer insgesamt etwas ueber 6000 Mark, so dass wir insgesamt gute 72000 Mark hatten. Als ich die beiden Schecks einzahlte, wurde mir gesagt, dass diese Schecks 42 Banktage braeuchten, bis sie gut geschrieben werden koennen. Das war schon sehr lange. Das Konto, das wir eroeffneten war natuerlich ein Dollar Konto und wir machten auch noch ein Peso Konto auf fuer den taeglichen Bedarf. City Bank hatte uebrigens schon einen ATM und so konnten wir jederzeit auch am Wochenende abheben.Damals war uebrigens die 100 Peso Note die groesste und das Geld nahm schon Volumen an, wenn man zum Shoppen ging.

Auf dem Rueckweg zeigte mir Inday dann noch die beruehmte San Carlos Universitaet und ich entdeckte  dann ein deutsches Restaurant in der Naehe am Osmena Boulevard gegenueber den Militaer Baracken. Wir kehrten im Frankfurter Hof – so hiess das Restaurant –  ein und ich lernte den Michael und den Karl Heinz kennen, die dieses Restaurant zwar gemeinsam betrieben, aber Karl Heinz war der Eigentuemer. Michael lebt heute noch auf den Philippinen und der Karl Heinz kam gegen 2006 wieder auf die Philippinen zurueck, nachdem er Ende 1987 das Land verlassen hatte und nach Deutschland zurueck ging. Nach dem Essen fuhren wir mit dem Jeepney nach Mabolo. Nur einen Peso musste man damals fuer eine Fahrt nach Mabolo bezahlen.

Anschliessend schauten wir nach dem Eigentuemer des Appartment. Er war zu Hause und war nur zu willig das Appartment zu vermieten. Es war zwar nicht gross, etwa 80qm aber fuer unsere Zwecke genuegte es vollkommen. Die Miete sollte 1000 Pesos betragen und wir nahmen es. Zusaetzlich zur ersten Miete mussten wir einen Monat Kaution bezahlen. Der Eigentuemer – uebrigens ein Rechtsanwalt – hatte bereits vorgedruckte Mietvertraege im Haus und so unterschrieben wir, bezahlten und hatten nun ein „eigenes“ Dach ueber dem Kopf.

Am folgenden Tag ging es los mit dem Einkaufen.  Zunaechst kauften wir in einem Appliance Center einen Kuehlschrank und einen Gasherd. Danach erwarben wir in einer „Art Moebelhaus“ einen Esstisch mit sechs Stuehlen, eine Couchgarnitur mit Sofa und zwei Sesseln und natuerlich ein Bett. Anschliessend „tobte“ sich Inday noch im White Gold aus und kaufte Toepfe, Pfannen, Teller und anderes Geschirr. Insgesamt gaben wir knappe 30000 Pesos aus fur unsere „Erstausstattung“. Auf einen Fernseher verzichtete ich in Anbetracht des absolut beschissenen Fernsehprogramm. Was ich da in den ersten Tagen gesehen hatte, kann einem die Lust aufs Fernsehen nehmen. Zudem war die Uebertragungsqualitaet einfach nur miserabel. Eine Waschmaschine wollte Inday nicht haben, denn eine „Labandera“ sei ja viel billiger.

Am naechsten Morgen wurde alles geliefert und wir richteten uns erst mal haeusslich ein. Ich kramte mein Brotbackbuch aus dem Gepaeck und backte zum erstenmal selbst Brot, was mir auch ganz gut gelang. Meine Frau schickte ein Telegramm nach Dinagat, denn nun braeuchte man ja eine „Maid“. Bei einem Monatsgehalt von 300 Pesos anfaenglich und 500 Pesos spaeter hatte ich auch nichts dagegen einzuwenden.

Als naechstes wollte ich mir ein Auto kaufen, aber die Preise fuer Gebrauchtwagen erschienen mir z.T. schon sehr hoch. So sollte „mein Suzuki“ knapp zwei Jahre alt fast eine Viertelmillion kosten. So viel wollte ich nicht ausgeben. Am Ende erwarben wir einen lokal hergestellten „Jeep“ Renegade, der mir sehr gut gefiel, und der mit 65000 Pesos auch nicht so teuer war.

Einige Tage spaeter kam dann die Maid aus Dinagat und mit ihr kam auch meine Schwiegermutter. Und sie wuerde ziemlich lange bleiben. Zum erstenmal machte ich nun mit philippinischem „Grossfamilienleben“ Bekanntschaft. Meine Schweigermutter war aber eine sehr umgaengliche Frau, die sich aus allem raus hielt und somit hatten ich auch keinerlei Probleme mit ihr. Anderenfalls haette ich sie wohl schnell wieder nach Hause geschickt.

In den naechsten Tagen unterhielten wir uns oft, was wir machen wollten. Meine Frau begann Geld im Markt von Mabolo zu verleihen und ich war geschockt wegen der hohen Zinsen. Aber das Zinseinkommen war genug, so dass wir davon schon leben konnten, wenn man nicht jeden Tag ins Restaurant geht.

So vergingen die ersten Wochen wie im Flug und wir gewoehnten uns an unser Leben auf den Philippinen. Vieles sollte noch passieren in den naechsten Monaten, Jahren und Jahrzehnten, aber das sind andere Geschichten, die will ich ein anderes mal erzaehlen.

The End

Share This Post
Related Posts
Eine ungewoehnliche Schwangerschaft
The Banana Bender Law
Der Tod von Claus 2. Teil
3 Comments
  • cris45
    Reply

    Hi Kai
    danke für deine Antwort,ja ja der liebe Urs Zaugg,auch über den könnte man ein Buch schreiben,dass er früh gestorben ist tut mir ja schon auch leid aber zur Gesundheit hat er selber nie viel beigetragen.

  • cris45
    Reply

    Hallo kaithoma,
    Deine Geschichten gefallen mir sehr gut und weil ich ja dannzumal auch schon auf den Phils. war (jedes Jahr ab 1982 fast 2 Mt.)kommt mir natürlich vieles sehr bekannt vor.Ich bin mir sicher,auch du weisst genau,dass Auswandern auf die Phils damals sehr riskant war (auch jetzt noch) und bei vielen blieb es beim Versuch.Ich war dann immer am Anfang und am Ende meiner Ferien in Manila in einer Pension mit einem Schweizer Betreiber.Was ich da in kurzer Zeit alles gesehen habe, oi oi oi da könnte man auch ein Buch schreiben.Da waren Deutsche und Schweizer die eigentlich auswandern wollten und dann ohne eine einzige Mark irgenwie Touristen anpumpten um überhaupt wieder zurück nach Schweiz od. Deutschland zu kommen.
    Aber was ich eigentlich fragen wollte:du schreibst zwar „Fränkischer Hof“ aber ich denke das war der „Frankfurter Hof“ und dort habe ich viele male auch gegessen.Wenn du diese zwei gekannt hast,also den Karl Heinz und sein Bruder dann muss ja der Bruder im 2 Stock über dem Rest. ein Büro eingerichtet haben,z.B für Heiratswillige Ausländer den ganzen Papierkram zu machen damit sie so schnell wie möglich dort heiraten konnten.Ich weiss nur, dass ein Deutscher Universitäts Professor dort „geheiratet“ hat und dann seine 1 monatige grosse Liebe als seine Frau den Tresor geräumt hat und der Professor mich um 300 Peso angefragt hat für Flughafen Taxe.
    Ich selber habe mich fast immer nur unter den Pinoys aufgehalten und soviel schönes erlebt wie Gastfreundschaft, Nostalgie Pur usw.und deshalb reagiere ich ärgerlich wenn jemand einfach immer nur an den Pinoys herumnörgelt.

    • Kai
      Reply

      Hallo Chris
      ja du hast recht, es war der Frankfurter Hof. Ja ich weiss dass sie auch so eine Art Service Buero machten, aber das war wohl nicht so der grosse Kracher. Und die Geschichte vom Professor habe ich schon mal gehoert. Mit dem Schweizer Pensionsbetreiber meinst du wohl den Inhaber der Mabini Pension, nehme ich mal an. Aber der Inhaber dort lebt nicht mehr.
      LG
      Kai

Leave Your Comment

Your Name*
Your Webpage

Your Comment*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>