Wie alles begann….. 2. Teil

Nach den Untersuchungen und Labortests sprach ich mit dem Arzt. „Ihrer Frau fehlt physisch ueberhaupt nichts. Sie leidet an entsetzlichem Heimweh und ist zu einem Leben in diesem Land nicht geeignet. Wie ihr damit umgeht und muesst ihr beide wohl selbst entscheiden. Aber so kann es nicht weiter gehen. Ausserdem ist sie schwanger und duerfte um den 16/18. April herum empfangen haben. Das Kind sollte in der ersten Januarwoche geboren werden.“  Das Ultraschallbild der damaligen Untersuchung haben wir uebrigens heute noch. Ich bedankte mich und als Inday drei Tage spaeter aus dem Spital entlassen wurde, hatten wir einige ernsthafte Unterhaltungen. Die Schlussfolgerung war klar: Entweder wir trennen uns und sie geht zurueck oder wir gehen gemeinsam auf die Philippinen. Ich war ja nun schon zweimal auf den Philippinen, aber konnte mir eigentlich ein dauerhaftes Leben dort nicht so recht vorstellen. Wie auch immer, ich wollte keine Trennung, sie auch nicht und das war die Entscheidung.

Am naechsten Tag rief ich auf der philippinischen Botschaft in Bonn an und erkundigte mich. Die Auskunft war klar, eigentlich alles sehr einfach. Ich benoetigte eine Geburtsurkunde, Auszug aus dem Familienstammbuch der Eltern, Taufurkunde, Fuehrungszeugnis und Reisepass und zu allem die entsprechende englische Uebersetzung.  Also beantragte ich zuerst das Fuehrungszeugnis, was etwa 3-4 Tage dauern sollte. In der Zwischenzeit unterrichtete ich meine Freunde und meine Grossmutter von unserem Entschluss.Die waren alle entsetzt und meinten ich spinne. Jeder bot seine Hilfe an und meinte, dass wir ihr zusammen das Heimweh schon „austreiben“ koennten. Diese Meinung teilte ich nicht und der Arzt, den ich sicherheitshalber nochmal befragte, teilte sie auch nicht.

Ich setzte nun Kleinanzeigen in die Wochenzeitung und wir begannen alles zusammen zu packen was wir auf die Philippinen schicken wollten. Zahlreiche Buecher, CDs, Platten und meine Hoehlenausruestung, sowie alles persoenliche wurde verpackt. Am Ende hatten wir 9 grosse Kartons (etwa Balikbayan Box Groesse) und ich liess mir Preisangebote von verschiedenen Speditionen kommen. Am preiswertesten war eine Nuernberger Spedition und ich gab denen schon mal vorab Bescheid, aber meinte auch, dass die endgueltige Buchung und Abholung erst nach der Erteilung des Visums erfolgen sollte. Die Verkaeufe liefen gut und die Wohnung wurde so langsam leerer. Etliche Mitglieder des Bayreuther und Nuernberger Cichlidenvereins leerten meine Aquarien (ich hatte 38 Aquarien mit insgesamt 8400 Litern Inhalt) und das Geld, das mitgenommen werden konnte stieg so langsam an. Endlich kam das Fuehrungszeugnis und ich brachte alle Dokumente zu einer vereidigten Uebersetzerin, die mir auch versprach alles ueber das Wochenende fertig zu machen. Am Sonntag waren wir auf einem Flohmarkt um jede Menge Kleinkram dort zu verkaufen. Die Besucher und Kaeufer gaben sich auch in meiner Wohnung die Klinke in die Hand und fast jeder kaufte etwas. Fuer meine Highend Stereoanlage hatte ich aber noch niemand. Am Montag konnte ich dann die uebersetzten Unterlagen abholen und bezahlte fuer alles 325 Mark. Am Nachmittag buchte ich dann einen Flug fuer uns beide von Nuernberg nach Bonn, der am Mittwochmorgen gehen sollte. Den Rueckflug buchten wir dann fuer den spaeten Nachmittag.

Am Mittwoch brachen wir um 4.30 am Morgen auf und fuhren nach Nuernberg. Der Flug sollte um 7 Uhr gehen. Die zwei-motorige Fokker Friendship hob auch puenktlich ab und wir hatten einen sehr unruhigen Flug nach Bonn. In Bonn angekommen fuhren wir mit einem Taxi zur Botschaft, die aber noch geschlossen war. Wir tranken in einem Cafe unweit der Botschaft eine Tasse Kaffee und puenktlich um 9 Uhr wurden wir dann eingelassen. Ausser uns waren noch keine „Kunden“ in der Botschaft. Zu allererst musste meine Frau ihre Einkommenssteuererklaerung abgeben. Danach wurde Ihr Pass umgeschrieben auf den neuen Familiennamen und dann wurde mein Antrag fuer ein Einwanderungsvisum unter Sektion 13A bearbeitet. Dann wurde ich vom Konsul zu einem Interview gerufen, der die Gruende der Auswanderung wissen wollte. Wohlweisslich hatte ich mir vom behandelten Arzt ein Attest geben lassen und das auch mit uebersetzen lassen. Die Gruende waren ihm natuerlich sofort klar und es gab keinerlei weitere Fragen mehr. Ich wurde zur Kasse geschickt und musste dort 40 Mark fuer mein Visum bezahlen. Einige Minuten spaeter bekam ich meinen Pass geschmueckt von einem einseitigen Einwanderungsvisum fuer die Philippinen. Wir verliessen die Botschaft kurz nach 11 Uhr morgens und gingen erstmal auf die Suche nach einem Gasthaus. Wir waren hungrig.  Am Nachmittag fuhren wir mit dem Taxi zum Flughafen und kehrten puenktlich mit „unserer“ Fokker nach Nuernberg zurueck. Um 7 Uhr am Abend waren wir wieder in Bayreuth. Das war am 20. Mai 1987 gewesen. Acht Tage hatte es gedauert von der Beantragung des Fuehrungszeugnis bis zum Visum.

Am Donnerstag buchte ich dann unsere Fluege auf die Philippinen. Einfach! Das Ticket kostete knappe 1000 Mark pro Stueck mit Philippine Airlines und unser Flug sollte am 27. Mai um 7.30 am Abend  abgehen.Ich verstaendigte nun auch die Spedition, damit die neun Boxen abgeholt werden und auf die Philippinen verschifft werden konnten. Bereits am naechsten Tag waren die Kartons unterwegs.

Am gleichen Tag ging es auch mit dem Verkaufen weiter. Ich hatte nun auch die ersten Interessenten fuer mein Auto ein Suzuki „Jeep“ SJ413. Da der Wagen erst ein halbes Jahr alt war und nur 13000 Kilometer drauf hatte, gab es einige Interessenten und am Freitag war der Kauf perfekt gemacht. Der Kaeufer zahlte 20% an und am Montag sollte das Auto uebergeben werden. Am Sonntag fuhren wir mit meinen Freunden ein letztes mal in die fraenkische Schweiz, besuchten Pottenstein und fuhren an der Wiesent entlang nach Waischenfeld und Breitenlesau um ein letztes mal im Gasthof Krug zu essen und das beste Bier Deutschlands zu geniessen.Es war ein sentimentaler Tag, wussten wir doch alle, dass ein langer Abschied vor uns lag.

Montags kam der Kaeufer und bezahlte den Rest des Autos und nahm es gleich mit. Ich war ein wenig traurig, den ich liebte diese Kiste, war es doch das einzige Auto mit dem ich direkt zum Garten vom Thomas fahren konnte und nach Durchquerung des roten Mains im Garten parken, wo wir auch einen Fischteich mit Forellen hatten.

Es waren nur noch zwei Tage bis zum Abflug.

Fortsetzung folgt

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2 Comments
  • deepdiver27
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    Hallo Kai,

    es macht viel Spaß, Deine Geschichten zu lesen, Danke für Deine Mühen in diese Richtung.
    Hast Du dazu Aufzeichnungen? Es sind ja doch verdammt viele Details, die Du hier erwähnst.
    Führst Du Tagebuch und wenn ja, tust Du es noch heute?
    In Erwartung weiterer spannender Kapitel und Geschichten beste Grüße!
    deepdiver27

    P.S. Wir hatten uns mal im Juris in Manila zum PFD getroffen.

    • Kai
      Reply

      Ja ich fuehre Tagebuch und ich mache das noch heute. Damals schrieb ich alles in Schulhefte, heute muss der PC herhalten. So aendern sich die Zeiten. Das Laptop natuerlich, wenn ich unterwegs bin. Das Treffen im Juris ist ja nun schon einige Zeit her, im Moment koennte ich dich nicht „zuordnen“. Aber ich bin sicher, du kannst mich diesbezueglich aufklaeren.

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