Wie eine Made im Speck….. 2. Teil

Aber bevor sich die Eltern bei Jay Jay „beliebt“ machen konnten, mussten sie sie erst mal kraeftig veraergern, denn sie hatten – oder wisst ihr es alle schon – die 20000 Pesos fuer den Rueckflug von Jay Jay verbraten. Und das musste nun zuerst eingestanden werden.  Und so gestanden sie,   ganz wie arme  Suender im japanischen Stil mit Sumimasen ohne Ende. Jay Jay war zwar sauer, aber bei sovielen Bitten um Vergebung konnte sie nicht laenger ueber die Eltern  veraergert sein und sie vergab, hatte sie ja schliesslich als Tochter sowieso „lebenslangen Utang na Loob“ und konnte deswegen nicht anders.

Am darauf folgenden Tag bereiteten die Eltern ein nettes Dinner vor mit einigen engen Verwandten und Freunden um ihren Plan, sich den Lebensunterhalt zu sichern weiter zu verfolgen und zur Durchfuehrungsreife zu bringen. Nach dem Dinner und einigem Trinken mit dem ueblichen Karaoke Gesang, der bei eingen mit zusaetzlichem Tanduay Genuss immer schauerlicher wurde, kam man dann zur Sache: „Jay Jay, wie waere es denn, wenn du deiner Schwester einen Job in Dubai besorgen wuerde, dann wuerdet ihr beide verdienen und uns allen hier wuerde es wieder etwas besser gehen?“ „Hmmm,“ meinte Jay Jay, „das sollte schon gehen, aber zuerst muss ich Geld auftreiben fuer den Flug.“ Sie hatte naemlich ihre alte Stelle gekuendigt, da ihr die nationale Telefongesellschaft von Duabai einen sehr gut bezahlten Job angeboten hatte und nur deshalb konnte sie dieses mal laenger bleiben, musste aber vor Ablauf von sechs Monaten wieder in Dubai sein, da sonst ihr Visum verfallen waere.

Also kam Jay Jay noch einmal nach General Santos um sich von uns das Geld zu leihen. Ich verneinte ihr Bares zu geben, denn falls die Eltern ihre Griffel dran kriegten, waere es weg gewesen und schlug ihr vor, das Ticket direkt zu kaufen. Sie stimmte zu und am naechsten Tag besorgten wir das Ticket. Zu Jay Jays Ehrenrettung muss ich hier sagen, dass sie zwei Monate spaeter alles zurueck zahlte.

Jay Jay flog dann einige Tage spaeter nach Dubai und es dauerte etwa 3 Monate, bis ihre Schwester nachkommen konnte um auch dort zu arbeiten. Sie uebernahm den alten Job von Jay Jay. Nun hatten die Eltern zwei Eisen im Feuer und das zahlte sich aus, hatten sie doch nun auch das Einkommen von Dolly. Und die Schule fuer die anderen drei wurde auch bezahlt. So liess sich das schon leben.

Es kam wie es kommen musste; neun Monate spaeter folgte der dritte nach Dubai, weitere zwei Monate spaeter der vierte und ein Jahr darauf der letzte. So liess es sich leben und mit diesem Einkommen wurde nun natuerlich ein Grundstueck in Cagayan gekauft und bald darauf begann der Bau eines eigenen Hauses. Es ist schon toll wie die OFWs die Wirtschaft ankurbeln und die zurueck gebliebenen Familien begluecken.

Ein halbes Jahr spaeter lebte man bereits im eigenem Haus und fuehlte sich „sauwohl“. Dass die Kinder in der Ferne schufteten und sich aufopferten war nicht so wichtig. Als naechstes folgte ein Auto – natuerlich auf Raten gekauft – und man war jemand in der Gemeinde geworden. Ploetzlich hatte man sehr viele Freunde, entfernte Verwandte von der Insel kamen auch in die Stadt, weil ein jeder ja etwas vom grossen Kuchen abhaben will. Bei zirka 100.000 Pesos, die jeden Monat geschickt wurden, ist das ja auch ein ganz schoen grosser Kuchen. Und so lebte die Familie wie die Maden im Speck. Die Rechnung war aufgegangen.

War sie das wirklich? Natuerlich kam immer wieder einer der fuenf auf Urlaub und berichtete nach der Rueckkehr  vom ausschweifenden Leben der Eltern auf den Philippinen. Die Phantasie kam dazu und die Kinder dachten sich, das ist zuviel was wir schicken. Wir sollten doch endlich mal auch fuer uns sparen und auf den Philippinen ein Business aufmachen. Also wunderten sich die Eltern beim naechsten mal, denn es kamen nur 30000 Pesos an. Das war natuerlich nicht genug um alle Raten zu zahlen und das Protestgeheul der Eltern konnte man bis Dubai hoeren. Ihnen wurde vorgehalten, dass sie ja Utang na Loob haetten und das nicht bringen koennten, dass die Eltern nun alles verlieren wuerden. Man stimmte ab und einigte sich das Haus direkt weiter an die Bank zu zahlen, aber nicht das Auto. So wurde dieses einige Monate spaeter von der Bank wieder abgeholt. Oh wie war das peinlich, die schadenfrohen Blicke der Nachbarn sagten alles. Aber sie wussten ja, dass ein Geschaeft aufgebaut werden soll und da sie hier waren und die Kinder dort, wuerden sie das Geschaeft leiten und alles ginge weiter wie zuvor. Man musste sich nur etwas gedulden bis die lieben Kinderlein genug gespart hatten.

Ein gutes Jahr spaeter war es soweit. Drei der fuenf Geschwister kamen zusammen nach Hause. Sie hatten sich zwei Monate Urlaub genommen um ihr Projekt „anzuleiern“. Sie wollten professionelle Money Lender werden, nicht fuenf/sechs wie es von vielen Indern betrieben wurde, sondern eben richtig mit Sicherheiten und wie sich das gehoert. Ein Anwalt half ihnen beim Aufbau der Firma und erledigte die Aufteilung der Firma mit der Security und Exchange Commission. Die Eltern wurden nicht Teilhaber, aber sie sollten das Geschaeft in Abwesenheit der fleissig arbeitenden Kinder fuehren. Der nun sichtbare warme Regen liess die Eltern so richtig wohlig ums Herz fuehlen. Ach die lieben Kinderchen sorgen so gut fuer uns. Zehn haetten wir haben sollen nicht nur fuenf, dachten sie sich.Und das Startkapital konnte sich schon sehen lassen: 1,5 Millionen Pesos und mehr sollte folgen. Das Leben kann so schoen sein.

Die Firma wurde eroeffnet und nach ein paar Wochen reisten die Kinder zurueck nach Dubai. Sie mussten ja weiter Kohle ranschaffen, damit die Eltern leben konnten.

Fortsetzung folgt

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