Wie eine Made im Speck….. 1. Teil

Overseas Foreign Workers (OFW) sind ja wohl definitiv ein wirtschaftliches Rueckgrat fuer die Philippinen. Sie gehen ins Ausland um dort zu arbeiten, sind jahrelang von der Familie getrennt, sehen ihre Kinder oftmals nur alle zwei Jahre fuer einen Monat, leben und arbeiten in vielen Faellen unter unwuerdigen Bedingungen und sind meist sehr einsam dort in der Ferne.

Viele dieser OFWs sind fuer die Familie wichtige  „Geld Verdiener“ und es ist oftmals so, dass die Familie in Armut versinken wuerde ohne die Hilfe dieser „anonymen Helden und Heldinnen“. Und in vielen Faellen wird die Hilfsbereitschaft dieses Familienmitglieds hemmungslos ausgenutzt.

Ich moechte hier von einem Fall erzaehlen, in dem die negative Seite aufgezeigt werden soll, moechte aber gleichzeitig jetzt und hier feststellen, dass die Mehrzahl der Familien wohl nicht so „gierig“ sind.

Im Dezember 1999 flog  Jay Jay Gonzales nach Dubai, da ihr von einer ehemaligen Klassenkameradin ein Job besorgt worden war. Sie sollte in einer Boutique als Verkaueferin arbeiten. Da sie gut aussah und fliessendes Englisch sprach hatte der Besitzer zugestimmt es mit ihr zu versuchen. Anfangsgehalt war 22.000 Pesos. Sicherlich nicht viel fuer Dubai aber ein kleines Vermoegen fuer die Familie, die zu Hause zurueck blieb. Das Geld sollte in erster Linie dazu verwendet werden um die Geschwister studieren zu lassen. Nach einem Monat Arbeit begann Jay Jay Geld nach Hause zu schicken. Jeden Monat gab es 15.000 Pesos fuer die Schule der Geschwister und am Anfang klappte das auch ganz gut fuer einige Monate. Dann entschieden die Eltern allerdings, dass sie sich wohl auch einige Annehmlichkeiten verdient haetten und sie begannen das Geld anderweitig auszugeben. Da wurden einige Sachen gekauft wie ein neuer Fernseher, eine Karaoke und fast jeden Abend floss der Tanduay in Stroemen. Fuer die Geschwister hiess das einmal mehr eine schulische Auszeit zu nehmen. Der Familienvater hatte eh Zeit seines Lebens nie etwas vernuenftiges gearbeitet, und die Mutter hatte durch waschen und putzen das Geld verdient, das natuerlich hinten und vorne nie gereicht hatte. Durch borgen bekamm man gelegentlich etwas Geld fuer die Schule zusammen. Die Schule der Aeltesten, die nun in Dubai schuftete war von einer Verwandten bezahlt worden, die mit einem Amerikaner verheiratet war.

Die Geschwister, die gehofft hatten endlich ihre Ausbildung machen zu koennen, wendeten sich an die „grosse Schwester“ und klagten ihr Leid. Diese widerum fragte die Eltern, die natuerlich alles verneinten und von „Notfaellen“ erzaehlten, fuer die das Geld verwendet worden war. (Kommt das nicht einigen Lesern bekannt vor?) Das Maedel glaubte ihren Eltern, als diese versicherten, dass die „Notfaelle“ ja vorbei seien und das Geld wieder der eigentlichen Bestimmung zufliessen wuerde und schickte weiterhin jeden Monat 15000 Pesos.

Im Januar 2002 kam Jay Jay zum ersten mal auf Urlaub nach Hause. Auf dem Flughafen in Cagayan de Oro wurde sie von der gesamten Familie abgeholt und als erste „Amthandlung“ uebergab die Tochter der Mutter ihr gesamtes Gespartes in Hoehe von knapp 80000 Pesos mit der Auflage, davon ein kleines Geschaeft aufzubauen. Ihre Geschwister erzahlten ihr aber am Abend, dass sie statt 4 Semester weiter zu sein gerade einmal ein Semster fertig hatten und fuer das andere habe das Geld nie gereicht. Jay Jay besuchte uns in Bulua und klagte ihr Leid und fragte was sie tun koenne. Wir rieten ihr mit den zwei Schulen, die ihre Geschwister besuchten, zu reden und die Zahlungen direkt an die Schule zu machen. Fuer das Taschengeld und fuer die Projekte sollte sie den Geschwistern ein Konto einrichten und das Geld dort einzahlen, das diese dann mittels ATM Karte abheben konnten. Was sie dann noch den Eltern schicken wollte oder koennte, bliebe dann ihr ueberlassen. Jay Jay arrangierte alles nach diesem Vorschlag und flog einen Monat spaeter wieder nach Dubai zurueck. Dort sollte sie nun in der gleichen Boutique den Job der Kassiererin uebernehmen, da ihr Boss sie schaetzte und ihr vertraute. Ihr Gehalt stieg auf 45000 Pesos und zum ersten mal floss nicht alles auf die Philippinen zurueck. Die Schule wurde nun immer gleich pro Semester von Jay Jay im voraus bezahlt, die Geschwister hatten ihr Taschengeld und Geld fuer Schulprojekte, aber die Eltern bekamen nur noch 5000 Pesos pro Monat. Den Rest sollten sie sich mit Hilfe des kleinen Geschaeftes selbst dazu verdienen, schliesslich waren die beiden erst in den fruehen Fuenzigern. Nur war das Geld schon laengst ausgegeben worden und die Eltern waren sehr veraergert. Man machte nun Druck auf die zurueck gebliebenen Geschwister, dass die zumindest Teile ihres Taschengeldes ablieferten. Man musste etwas sparsamer leben, aber es wurde bereits ein Plan entwickelt, wie man das alles aendern koenne, damit man spaeter ein wirklich gutes Leben haben koennte.

Es vergingen drei Jahre bevor  Jay Jay wieder nach Hause kam. Ihre Schwester war mit dem Studium fertig geworden und die anderen drei naeherten sich dem Ende. Sie war gluecklich, dass es dieses mal geklappt hatte, aber die Eltern machten ihr bittere Vorwuerfe, dass sie nicht genug haetten und dieses Leben als Eltern einer OFW ein unwuerdiges sei. Das mit dem Geschaeft habe ja nur deswegen nicht geklappt, weil wieder medizinische „Notfaelle“ anstanden und man Krankenhaus und Medikamente benoetigte.  Jay Jay war leider so vertrauenswuerdig und uebergab einmal mehr der Mutter das ganze Ersparte, das diesemal mehr als doppelt so viel war. Sie erteilte aber die Auflage, da sie ja vier Monate bleiben wolle, 20000 Pesos fuer ein Ticket nach Dubai aufzubewahren. Die Mutter versprach ihr gleich morgen ein Konto zu eroeffnen und die 20k dort zu deponieren, damit ihr Rueckflug gesichert sei. Das wurde auch gemacht und Jay Jay verliess Cagayan um nach Dinagat zu fahren, weil sei auch all die andere Verwandtschaft besuchen wollte. Wir lebten mittlerweile bereits in General Santos und sie kam auch fuer einen Monat auf Besuch zu uns.

Die Zeit verging wie im Flug und der Abreisetermin fuer Jay Jay naeherte sich. Ihre Eltern wollten sie nun fuer ihren Plan erwaermen und trafen Vorbereitungen um das Maedel in gute Laune zu versetzen.

Fortsetzung folgt

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2 Comments
  • Reply

    […] einen besseren Einblick.  Ich hatte ja schon einmal ueber Ausnutzung von OFWs geschrieben und zwar hier,  (sind insgesamt drei Teile) aber ich kenne natuerlich noch mehr Faelle, moechte mich aber nicht […]

  • cris45
    Reply

    Hallo Kai,
    wer jetzt nicht schon längst geschnappt hat was folgt,ist sicher nicht mit einer Pinay Verliebt oder Verheiratet ha ha ha.Das mit dem Krank und Medikament,da hat meine Frau ihren Eltern mitgeteilt sie sollten zuerst eine Arztrechnung schicken weil wir eine Versicherung hätten,und plötzlich waren die halt wieder Kerngesund.Ich musste zwar immer lachen und wir haben meine Schwiegereltern auch nicht verhungern lassen aber
    wir haben das einfach richtig eingeteilt.Das Problem,ich kenn Pinays hier wo der Ehemann keine Ahnung hat wie das dort abgeht in dieser Hinsicht,und die Frau arbeitet dann bis zum Umfallen wegen diesen (deine ÜBERSCHRIFT)und kann einfach nicht mehr stoppen.Mir hat mal ein Alleswisser gesagt,er habe das richtig gemacht,er habe seinen Schwiegereltern 4000.-CH Fr.gegeben und deutlich gesagt das wars no more asking for Money,was denkst du Kai wie lange das ngehalten hat.Aber ich meine man kann ihnen einfach nicht böse sein das ist halt einfach diese Art/Unart und so auch in Thailand.Ich habe/wollte mal meinem
    Schwiegervater die Leviten lesen,dass Medikamente und Alkohol nicht zusammen passen würden,und als ich ihn gefragt habe was er trinken möchte hat er einen Thandway mit Eis bestellt ha ha ha .

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