Zum ersten Mal im Krankenhaus

Damit meine ich selbstverstaendlich ein philippinisches Krankenhaus.

Es war im November 1988 gewesen, waehrend die Taifune Unsang und Yoning in kurzem Abstand nacheinander zuschlugen. Ich hatte mich in den letzten Tagen unwohl gefuehlt, aber dachte, ich haette wohl nur irgendetwas gegessen, was nicht ganz so frisch war, wie es haette sein sollen. Ich hatte keinen Appetit und fuehlte mich auch etwas schlapp. Zwei Tage spaeter kam ein leichtes Fieber dazu, das ich mit Paracetamol bekaempfte. Ich entschloss mich nach Surigao City zu fahren und den Arzt aufzusuchen. Aber am naechsten Moorgen ging kein Passagierboot, da Yoning im Anzug war. Ich dachte, das sei nicht so schlimm, so mies ging es mir ja letzten Endes auch nicht. In dieser Nacht stieg das Fieber gewaltig bis auf 40 Grad und nun war es wohl kein Spass mehr. Draussen tobte Yoning und zerstoerte die Haeuser am Meer, die Unsang noch verschont hatte. Waehrend das Auge ueber San Jose hinweg zog, konnte ich das „Loch“ im Taifun gar nicht bewundern. Ich sah nur, dass draussen die Sonne schien. Aber nur 20 Minuten spaeter war der Sturm wieder da, nur kam der Wind nun aus der entgegengesetzten Richtung. Ich musste noch weitere 36 Stunden warten, bis der Wellengang soweit zurueck gegangen war, dass sich ein groesseres Boot bereit erklaerte, zum „Festland“ zu fahren. (Dazu sollte man wissen, dass Mindanao zwar auch eine Insel ist, aber fuer die Menschen,, die von kleineren Inseln kommen ist es das „Mainland“)

Die Fahrt war sehr unangenehm. Die Wellen waren immer noch relativ hoch, und das Boot wurde ganz schoen herum geworfen. So manches Mal dachte ich, wir wuerden kentern. Meine Frau nahm die Fahrt sehr viel gelassener als ich. Endlich kamen wir nach Surigao und ich wurde mit einem Tricycle ins Surigao Medical Center gebracht. In der Notfallaufnahme musste ich auch nicht lange warten bis ein Arzt kam. Der untersuchte mich und wies mich ein. Ich wurde an einen Tropf gehaengt, da ich dehydriert war und mir wurde bereits nach meiner ersten Mahlzeit, die ich vollstaendig wieder auskotzte, das Essen verboten. NPO stand nun an der Tuere des Zimmers. Das hies „Nothing per Oral“.

Der urspruengliche Verdacht war eine Lebergeschichte, aber die Laboruntersuchungen zeigten normale Leberwerte. Dann wurde die „boese Gallenblase“ verdaechtigt und dazu musste ich ins Provinzkrankenhaus, da nur die die noetigen Roentgenanlagen hatten. Dort musste ich so komische kleine weisse Perlen essen, die ein wenig groesser waren als die in Deutschland bekannten „Liebesperlen“. Die prickelten in meinem Mund wie Brause, aber ich schluckte gehorsam alles runter. Es dauerte keine zwei Minuten – ich war noch nicht geroengt – da kam alles wieder hoch. Die Aufnahmen von meiner Gallenblase wurden trotzdem gemacht und es zeigte sich, dass bereits genug Kontrastmittel in meinem Koerper vorhanden war, um ein brauchbares Bild zu bekommen, das aber zeigte, dass die Gallenblase normal war. Als naechstes nahmen die Aerzte sich den Magen – Darmtrackt vor und ich musste den beruechtigten Bariumbrei „trinken“. Diesesmal war ich schon vor dem ersten Schluck vor dem Schirm und eine Aufnahme nach der anderen wurde „geschossen“. Kaum waren die die Aerzte fertig, kam der Brei auch wieder hoch. Anschliessend wurde ich in mein Krankenhaus zurueck gebracht.

Natuerlich hatte in der Zwischenzeit meine Frau „gehandelt“. Als echte Filipina waren Aerzte fuer sie nicht unbedingt das Non plus ultra und sie hatte ihren Onkel nach Leyte geschickt um Rudi zu holen. Rudi war ein Quackdocktor und hatte einen sehr guten Ruf als Heiler. Was nicht unbedingt etwas heissen mag. Und der wuerde also morgen frueh dann kommen um mich zu „heilen“.

Zwei Stunden nach meiner Rueckkehr in Medical Center kam der Arzt und erklaerte mir, was sie gefunden haben. Ich hatte einen Abszess im Duenndarm und der hatte den Darm so abgeknickt, dass absolut nichts mehr durch ging. So wie man halt einen Gartenschlauch knickt, damit kein Wasser mehr kommt. Das hiess ich hatte einen Darmverschluss, der von dem Abszess verursacht wurde. Der Doc meinte, er wuerde mir Antibiotika gegen das Abszess geben und wenn es nicht in drei Tagen weg waere, dann muesste er operieren. Diese Vorstellung schmeckte mir natuerlich gar nicht.

Am naechsten Morgen kam der Onkel mit dem Quackdocktor. Ich war sehr neugierig. Nun der „untersuchte“ mich auf seine Art. Erst schaute er mir tief in die Augen. Dann holte er einen „Wedel“ aus seiner Tasche und strich mit dem ueber meinen Koerper. Er murmelte unverstaendliches vor sich hin, waehrend der „Wedel“ fuer bestimmt 15 Minuten auf meinen Koerper „rauf und runter „wanderte“. Als er damit fertig war, setzte er sich an einen Tisch und legte Kugelschreiber und Papier vor sich hin. Danach versetzte er sich in eine Art Trance. Er sass da und reagierte auf nichts was um ihn herum geschah. Ploetzlich beugte er sich vor und begann wie wild zu schreiben. Dieser „Schreibanfall“ dauerte etwa fuenf Minuten. Anschliessend machte er kochendes Wasser in der Kueche, die zum Zimmer gehoerte. In diesem Wasser kochte er das beschriebene Papier aus. Die Fluessigkeit wurde nun in eine Tasse geschuettet und ich sollte das trinken. Da ich NPO war weigerte ich mich und meinte, dass ich ja nichts zu mir nehmen darf. „Das bisserl Wasser schadet nicht es wird dir helfen,“ meinte meine Frau und ich trank, da ich schwach war um zu argumentieren. Anschliessend breitete Rudi das „gekochte Papier“ zum trocknen auf. Dann setzte er sich an mein Bett und naehte einen kleinen Beutel aus Stoff eines meiner T-Shirts. Teile des getrockneten Papiers wurden dann in den kleinen Beutel gestopft und der Beutel wurde zugenaeht. Dann musste ich mir den Beutel um den Hals haengen. „Das ist ein Anting Anting,“ erklaerte er mir in Englisch. (philippinischer Talisman) Das wuerde mich beschuetzen. Und damit war Rudis Behandlung beendet.

Ich wuerde weiter verarztet von den Docs, bekam meine Medikamente und drei Tage spaeter wurde ich wieder in das Provinzkrankenhaus zum Roentgen gebracht. Diesesmal spuckte ich den Brei trotz der „Eilprozedur“ nicht mehr aus und spaeter im Krankenhaus meinte der Docktor, dass mein Darm wieder offen, aber an jener Stelle etwas verengt sei.

Ich blieb noch drei weitere Tage im Krankenhaus und konnte dann nach Hause gehen.

Bis heute schwoert meine Frau drauf, dass Rudi mich geheilt hat. Ich bin der Meinung, dass es die Medikamente waren. Aber manchmal zweifle ich auch……

The End

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